Der Trading Economics-Options Leitfaden
"Die wunderbare Welt der Optionen"

Kapitel 11 > Was sind Long und Short Kontrakte?

 

Im Kapitel 10 „Was bedeutet “in”, “at” und “out” of the Money?“ haben Sie erfahren das diese Begriffe nur für den Zweck verwendet werden, um im Options-Trading einfacher beschreiben zu können, welche Optionen gehandelt werden.

Die Finanzmärkte sind mit bunten Terminologien gefüllt. Und eines der größten Hindernisse, die neuen Options-Investoren im Trading zu schaffen machen, ist die Interpretation der verschiedenen Options-Jargons.

Im Kapitel 11 > “Was sind Long- und Short-Kontrakte?” sehen wir uns den Unterschied zwischen einem Long- und einem Short-Kontrakt an.

Zwei gängige Begriffe, die von Brokern und Händlern im Trading verwendet werden, sind “long” und “short”. Es ist sehr wichtig, diese Begriffe auseinanderhalten zu können und zu verstehen, wie diese im Options-Trading angewandt werden.

Wenn Sie einen Vermögenswert kaufen, sind Sie in dieser Position "long".

Wenn Sie z.B. 100 Aktien von Google kaufen, dann sind Sie gemäß der Terminologie “long”.

Der Begriff “long” bedeutet lediglich, dass Sie 100 Aktien von Google besitzen.

Genauso ist es, wenn Sie eine Call-Option kaufen. Dann sind Sie eine Call-Option “long”.

Wenn “long” bedeutet, dass Sie gekauft haben, dann bedeutet „short“, dass Sie etwas verkauft haben, nicht wahr?

Stimmt aber nicht ganz.

Einige Leute werden Ihnen sagen, dass „short“ lediglich bedeutet, dass Sie einen Vermögenswert verkaufen. Aber das ist eine unvollständige Definition.

Zum Beispiel: Wenn Sie 100 Google-Aktien gekauft haben, also 100 Google-Aktien “long” sind, und diese wieder an der Börse verkaufen, sind Sie nicht „short“ mit Ihren Google-Aktien, obwohl Sie 100 Google-Aktien verkauft haben, sondern „flat“, das heißt dass Sie jetzt keine Position in Google mehr haben, da sich beide Transaktionen gegeneinander aufheben

Sie haben zuerst 100 Google-Aktien gekauft und dann 100 Google-Aktien wieder verkauft, was bedeutet, dass keine Aktien mehr in Ihrem Depot bleiben.

Sie haben lediglich die in ihrem Besitz befindlichen 100 Google Aktien wieder verkauft oder ihre Position glattgestellt. Sie sind wie gerade gesagt „flat“.

Nehmen wir nun einmal an, Sie haben 100 Google-Aktien gekauft und nach einiger Zeit wollen Sie die 100 Google-Aktien wieder verkaufen.

Bei der Verkaufs-Order-Eingabe ihres Brokers machen Sie aber einen Fehler und geben statt 100 Google-Aktien versehentlich 150 Google-Aktien ein.

Der Computer führt den Auftrag aus, denn dieser kann ja nicht wissen, wie viele Google-Aktien Sie tatsächlich besitzen oder verkaufen wollen – es ist ja nur ein „dummer“ Computer, der macht, was man ihm sagt.

Aber wenn Sie nur im Besitz von 100 Google-Aktien waren, dann würden Sie nach der Orderausführung 50 Google-Aktien „short“ sein.

Mit anderen Worten, Sie haben 50 Google-Aktien verkauft, die Sie nicht besitzen. Und das ist genau das, was es bedeutet „short“ zu sein.

Soll heißen, Sie verkauften Aktien, die Sie nicht besitzen.

Man kann aber auch mit Aktien absichtlich „short“ gehen.

Die Frage ist: Wie können Sie Aktien verkaufen, die Sie gar nicht besitzen?

Sie müssen sich diese borgen oder ausleihen.

Um zu verstehen, was es heißt “short” zu sein und was das bei Optionen bedeutet, machen wir einen kurzen Umweg, um die Grundlagen des „shorten“ von Aktien oder einen sogenannten “short sale” (dt.: Leerverkauf), zu verstehen.

Ich werde im Nachfolgenden, auch wenn es ungewohnt klingen sollte, bei dem Wort “short“, „shorten“, ” shorting” oder „short sale” bleiben, um es für Sie einfach zu halten und um keine Verwirrung zu stiften.

Aktien-“short sale” oder Aktien-Leerverkauf

Im Trading nutzen Trader die Möglichkeit Aktien zu „shorten“, um von fallenden Aktienkursen zu profitieren.

Angenommen, die Google-Aktie handelt bei $ 650 und Sie denken, die Google-Aktie wird fallen. Dann verkaufen Sie Google-Aktien „short“, um von dem erwarteten Kursverfall zu profitieren.

Nehmen wir an, Sie „shorten“ (verkaufen, ohne die Aktien zu besitzen) 100 Google-Aktien, Ihr Broker wird einen anderen Investor finden, der Ihnen 100 Google-Aktien leiht oder borgt.

Das klingt wie eine lange, komplizierte Transaktion, dauert aber in Wirklichkeit nur den Bruchteil einer Sekunde für die Ausführung.

Die Mechanik von Aktien-„short sales“ ist ähnlich einem Kauf mit Ihrer Kreditkarte.

Ihre Bank findet Kreditmittel von einem Konto, das irgendjemand anderem gehört und leiht Ihnen dieses Geld. Sie haben aber dann die Pflicht, dieses Geld später wieder zurückzuzahlen.

Wie kompliziert ist es dann Aktien zu „shorten“?

Es ist ungefähr so kompliziert, wie wenn Sie Ihre Kreditkarte an einem Leseterminal bei einer Registrierkasse durchziehen.

Nehmen wir also nun an, Sie „shorten“ 100 Google-Aktien bei $ 600/Aktie.

Sobald der Auftrag ausgeführt wird, werden Ihrem Konto $ 60.000 gutgeschrieben (100 Google-Aktien, „verkauft“ zu $ 600/Aktie).

Auf Ihrem Konto ist ersichtlich, dass Sie 100 Google-Aktien bei $ 600 „short“ sind. Somit haben Sie Google-Aktien verkauft, die Sie gar nicht in ihrem Portfolio haben.

Wunderbar, werden Sie denken, da nehme ich doch glatt die $ 60.000, schließe das Konto und sage artig Dankeschön.

So einfach ist das natürlich nicht. Ab dem Zeitpunkt, da Sie mit 100 Google-Aktien „short“ gegangen sind, haben Sie gleichzeitig auch die Verpflichtung übernommen, diese 100 Google-Aktien in naher Zukunft wieder zurückzugeben und die Sicherheitsleistung (englisch „Margin“), die Sie für diesen Trade hinterlegen müssen ist „gesperrt“, d. h. Sie können darüber solange nicht verfügen, bis Sie die Aktien wieder zurückgegeben haben.

Mit anderen Worten: Sie müssen, zu einem bestimmten Zeitpunkt, 100 Google-Aktien an der Börse kaufen und diese dem Broker wieder aushändigen bzw. zurückgeben.

Um mit diesem Geschäft einen Gewinn zu machen ist es natürlich Ihr Ziel, an der Börse die Google-Aktien zu einem günstigeren Preis als Sie sie verkauft haben einzukaufen.

Nehmen wir an, dass der Preis der Google-Aktien nach Ihrer „short sale“ Order-Ausführung um $ 50/Aktie auf $ 550/Aktie fällt und Sie sich entschließen, die Aktien jetzt zurückzukaufen.

Sehen wir uns dies jetzt einmal etwas genauer an.

Die Google-Aktie fällt

Also, Sie sind mit 100 Google-Aktien zu einem Preis von $ 600 „short“ investiert.

Auf Ihrem Konto werden $ 60.000 gutgeschrieben.

Die Google-Aktie fällt nun auf $ 550/Aktie.

Sie entschließen sich, zu diesem Preis die Google-Aktien wieder zurückzukaufen.

Sie kaufen an der Börse 100 Google-Aktien zu $ 550/Aktie und bezahlen dafür $ 55.000 von den $ 60.000, die Sie beim Verkauf dieser bekommen haben.

In diesem Moment, wenn Sie Ihrer Verpflichtung nachkommen, dem Broker die 100 Google-Aktien wieder zurückgeben (dies geschieht im Übrigen vollautomatisch mit dem Kauf – “long” – von Google-Aktien), ist der Handel komplett, d. h. sie haben keinerlei Position mehr, der Verkauf und Kauf gleichen sich aus.

Sie haben nun einen Gewinn von $ 5.000 gemacht (100 Google-Aktien zu $ 600/Aktie „short“ minus 100 Google-Aktien zu $ 550/Aktie „long“ = $ 5.000 Gewinn).

Mit anderen Worten: Sie haben von dem fallenden Aktienkurs profitiert.

Man kann das Ganze noch einfacher berechnen, indem man einfach die Anzahl der Aktien, die Sie „shorten“, mit der Differenz zwischen dem „short“ und „long“ Aktien-Preis multipliziert. Ist diese Differenz „short minus „long“ positiv ist die Ihr Gewinn, ist die Differenz negativ (Sie mussten also zu einem höheren Preis zurückkaufen als Sie verkauft haben), dann ist dies Ihr Verlust.

In unserem Beispiel also 100 Aktien x („short“ $ 600 minus „long“ $ 550)

100 x ($ 600 - $ 550) = 100 x $ 50 = $ 5.000 Gewinn.

Wenn Sie, wie in unserem Beispiel oben, statt 100 Google-Aktien mit 300 Google-Aktien „short“ gegangen sind, so lautet die Rechnung:

300 x $ 50 = $ 15.000 Gewinn.

Natürlich, wenn die Google-Aktie nach Ihrer „short“ Ausführung steigt, sieht die Rechnung anders aus.

Die Google-Aktie steigt

Nehmen wir an, dass der Preis der Google-Aktien nach Ihrer „short sale“ Order-Ausführung um $ 50/Aktie auf $ 650/Aktie steigt und Sie sich entschließen, die Aktien zurückzukaufen.

Also, Sie sind 100 Google-Aktien zu einem Preis von $ 600 „short“.

Auf Ihrem Konto werden $ 60.000 gutgeschrieben.

Die Google-Aktie steigt auf $ 650/Aktie.

Sie entschließen sich, zu diesem Preis die Google-Aktien wieder zurückzukaufen.

Sie kaufen an der Börse 100 Google-Aktien zu $ 650/Aktie und müssen jetzt aber $ 65.000 bezahlen, obwohl Sie beim Verkauf dieser „nur“ $ 60.000 bekommen haben.

In dem Moment, in dem Sie Ihrer Verpflichtung nachkommen, dem Broker 100 Google-Aktien wieder zurückgeben (dies geschieht wie schon erwähnt vollautomatisch mit dem Kauf – “long” – der Google-Aktien), ist der Handel komplett, d. h. sie haben keinerlei Position mehr, der Verkauf und Kauf gleichen sich aus.

Sie haben einen Verlust von $ 5.000 gemacht (100 Google-Aktien zu $ 600/Aktie „short“ minus Google-Aktien zu $ 650/Aktie „long“ = $ 5.000 Verlust).

Mit anderen Worten: Sie haben durch den steigenden Aktienkurs einen Verlust gemacht.

Machen wir es auch hier einfacher, indem wir die Anzahl der Aktien, die Sie „short“ gegangen sind, mit der Differenz zwischen „short“ und „long“ Aktien-Preis multiplizieren.

In unserem Beispiel also 100 Aktien x („short“ $ 600 minus „long“ $ 650)

100 x ($ 600 - $ 650) = 100 x (- $ 50) = - $ 5.000 Verlust.

Wenn Sie statt 100 Google-Aktien mit 300 Google-Aktien „short“ gegangen sind, so lautet die Rechnung:

300 x (- $ 50) = $ 15.000 Verlust.

Der Verlust entsteht weil Sie, um die Google-Aktien zurückzugeben, beim Kauf dieser mehr ausgeben müssen.

Wenn Aktien „shorten“ für Sie immer noch verwirrend klingt, denken Sie daran, dass derjenige, der Aktien „short“ geht, seinen Profit in der gleichen Weise erwirtschaftet wie ein Aktienkäufer, nur dass er eben bei fallenden Kursen Geld verdient.

Der Unterschied besteht nur in der Eingabe der Transaktionen in umgekehrter Form – sie verkaufen zuerst und kaufen zurück und beim bekannten „normalen“ Aktienhandel – so wie Sie ihn kennen - kaufen Sie zuerst und verkaufen später. Das ist alles.

Wenn Sie zum Beispiel Aktien kaufen, so wollen Sie diese natürlich günstig kaufen und teuerer wieder verkaufen.

Wenn Sie Aktien „shorten“, so wollen Sie diese teuer verkaufen und günstiger zurückkaufen.

Wenn Sie Aktien „shorten“ und der Aktienpreis steigt, machen Sie einen Verlust, denn Sie haben billig verkauft und teuer gekauft.

In unserem obigen Beispiel haben Sie 100 Google-Aktien zu einem Gesamtpreis von $ 60.000 verkauft. Ihre Verpflichtung ist nun, dem Broker 100 Google-Aktien zurückzugeben und NICHT einen Geldbetrag!!!.

Wenn Sie die Google-Aktien zu einem niedrigeren Kurs einkaufen können als Sie sie verkauft haben, so machen Sie einen Gewinn.

Die bösen Aktien “Short Seller” (dt.:”Leerverkäufer”)

„Mit einem Verbot von Leerverkäufen will die französische Regierung für Ruhe an den Aktienmärkten sorgen.“

„Die nationalen Börsenaufseher in Frankreich, Spanien, Italien und Belgien haben ein Leerverkaufsverbot für Finanzwerte verhängt. Damit sollen weitere Kursstürze verhindert werden.“

Solche Meldungen tauchen immer dann auf, wenn die Aktien oder Finanzmärkte zu einem Tiefflug ansetzen.

Zu diesem Thema werde ich mich ein anderes Mal äußern, jetzt hier nur so viel:

Das wohl spektakulärste Beispiel für Leerverkäufe ist die Spekulation von US-Hedgefonds-Manager George Soros gegen das britische Pfund im September 1992. Damals setzte Soros gemeinsam mit anderen Investoren immense Summen auf die Abwertung des britischen Pfunds und zwang damit sogar die britische Notenbank in die Knie. Die Briten mussten schließlich das Europäische Währungssystem verlassen und das Pfund kräftig abwerten.

Und seitdem haben die Währungshüter der einzelnen Staaten eine Heidenangst vor „short sellern“.

Zum Beispiel:

22.06.2012

Vierergipfel in Rom

Monti warnt vor Spekulationsangriffen auf Europa

Vor dem Vierergipfel mit Kanzlerin Merkel in Rom hat Italiens Ministerpräsident Monti den Druck auf die Regierungschefs erhöht: Kriselnde Euro-Länder müssten sich auf massive Angriffe durch Spekulanten einstellen, sollte die Euro-Schuldenkrise in der nächsten Woche nicht gelöst werden. Weiterlesen…

Dieser Artikel ist nicht dafür gedacht, Ihnen einen Kurs im Aktien „shorten“ oder Aktien-Leerverkauf zu geben. Sondern ich will damit erklären, was die Worte „short“ oder „short sale“ bedeuten, wenn sie im Options-Trading angewendet werden.

“Short“, „shorten“ oder „short sale” bedeutet nichts anderes, als dass Sie den Verkaufserlös in Ihr Depot gutgeschrieben bekommen, wenn Sie einen Wert verkaufen, den Sie nicht besitzen, und dafür eine Verpflichtung übernehmen.

Im Falle des Aktien „short sale“ übernehmen Sie die Verpflichtung, diese zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder dem Broker zurückzugeben indem Sie sie irgendwann in der Zukunft wieder zurückzukaufen.

Der Options-Verkäufer

Wir wissen, dass der Käufer einer Option das Recht hat, entweder Aktien zu kaufen (Call-Option) oder Aktien zu verkaufen (Put-Option).

Wie sieht das aber bei einem Options-Verkäufer aus?

Wie wir schon in den Kapiteln unseres Trading Economics-Options-Leitfaden „Was sind Calls und Puts“, „Was ist eine Call-Option“ sowie „Was ist eine Put Option“ gesehen haben, hat ein Options-Verkäufer Pflichten.

Wenn Sie eine Option verkaufen nennt man dies auch „Sie schreiben eine Option (engl.: Writer oder hier besser Options-Writer). Ähnlich wie bei einer Versicherungsgesellschaft, die eine Versicherungspolice ausstellt oder „schreibt“.

Der Verkäufer einer Option wird auch Stillhalter genannt. Er muss stillhalten, weil er nicht weiß, ob und wann der Käufer seine Option ausübt oder nicht.

Ein Käufer einer Option hat also das Recht und ein Verkäufer die Pflicht.

Der Verkäufer ist also verpflichtet den „Vertrag“ zu erfüllen, wenn der Käufer entscheidet seine Option auszuüben.

Es sieht so aus, als ob der Options-Käufer den besseren Deal macht, weil er derjenige ist, der entscheiden kann, ob er seien Option ausübt oder nicht.

Es stimmt, dass ein Options-Käufer ein wertvolles Recht besitzt und entscheiden kann, ob und wann er die Option ausüben will, aber er muss für dieses Recht die Optionsprämie bezahlen.

Nun: Da der Verkäufer die Verpflichtung hat, wird er dafür auch bezahlt; er erhält die Optionsprämie; denn niemand würde eine Verpflichtung akzeptieren, ohne dafür bezahlt zu werden.

Es gibt immer wieder „Experten“, die Ihnen sagen werden dass der Käufer von Optionen immer im Vorteil sei, während andere Ihnen sagen, dass man als Verkäufer (Stillhalter) die Oberhand behält.

Wahrscheinlich wissen Sie es bereits: Keine der beiden Aussagen kann wahr sein, denn es gibt auf jeder Seite Vor- und Nachteile.

Käufer „haben das Sagen und die Wahl“, aber für dieses „Recht“ müssen sie die Optionsprämie bezahlen.

Der Vorteil des Verkäufers ist, die Optionsprämie einzusammeln. Dafür MUSS er potenzielle Verpflichtungen erfüllen.

Was sind diese Verkäufer-Pflichten?

Das ist einfach herauszufinden, sobald Sie das Recht des Käufers verstehen. Die Verpflichtung des Verkäufers ist genau das Gegenteil vom Recht des Käufers, so einfach ist das!

Beispiel:

Wenn ein Call-Options-Käufer das Recht hat, Aktien zu kaufen, so hat der Call-Options-Verkäufer die Verpflichtung, Aktien zu verkaufen.

Wenn ein Put-Options-Käufer das Recht hat, Aktien zu verkaufen, so hat der Put-Options-Verkäufer die Verpflichtung, Aktien zu kaufen.

Diese Verpflichtungen sind „mögliche Verpflichtungen“, da der Verkäufer der Optionen nicht weiß, ob und wann der Käufer seine Option ausüben wird, eben deshalb wird der Verkäufer einer Option auch Stillhalter genannt; denn er muss solange „still halten“ bis er entweder seien verkaufte Option zurückkauft und somit seine Position glatt stellt und sich somit seiner Verpflichtung entledigt oder eben der Käufer der Option sein Recht ausübt.

Zum Beispiel: Wenn Sie eine Call-Option verkaufen, müssen Sie dem Käufer Aktien des Unternehmens zum entsprechenden Basispreis verkaufen, wenn der dies verlangt. Das heißt also nicht, dass die auf jeden Fall Aktien verkaufen müssen..

Ein Call-Options-Verkäufer wird aber auf jeden Fall Aktien des zugrunde liegenden Unternehmens verkaufen müssen, wenn der Käufer entscheidet, seine Call-Option ausüben zu wollen.

Wenn Sie eine Put-Option verkaufen, müssen Sie Aktien des zugrunde liegenden Unternehmens kaufen, wenn der Käufer entscheidet, seine Put-Option ausüben zu wollen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Optionen auf Seiten des Käufers nur das Recht zum Kauf oder Verkauf von Aktien darstellen.

Beispiel:

Wenn Sie eine Call-Option besitzen, erhalten Sie nicht die Vorteile, wie Dividenden oder Wahlrecht, die ein Aktienbesitzer hat (außer Sie üben vorher Ihre Option aus [Zahlung und Lieferung], dann kommen Sie in den Genuss von Dividenden oder Wahlrecht). Aber Optionen alleine gesehen sind nichts anderes als eine Vereinbarung zwischen zwei Marktteilnehmern, um Aktien zu kaufen oder zu verkaufen.

Optionen „shorten“

Wenn Sie eine Option „shorten“ so heißt das, dass Sie etwas verkauft haben, dass Sie nicht besitzen. Sie bekommen im Voraus Bargeld (= die Optionsprämie) auf Ihrem Konto gutgeschrieben und müssen dafür eine entsprechende Verpflichtung übernehmen, je nachdem, ob Sie eine Call- oder Put-Option verkaufen.

Wenn Sie eine Call-Option „shorten“, so wird sofort Bargeld auf Ihrem Konto gutgeschrieben und Sie haben die Verpflichtung, Aktien zu verkaufen.

Wenn Sie eine Put-Option „shorten“, so wird sofort Bargeld auf Ihrem Konto gutgeschrieben und Sie haben die Verpflichtung, Aktien zu kaufen.

Das Geld wird auf Ihrem Konto sofort gutgeschrieben und gehört Ihnen, unabhängig davon, was mit der Option in der Zukunft geschieht.

Das ist Ihr Ausgleich für die Übernahme der Verpflichtung, ähnlich wie die Prämie, die Sie einer Versicherungsgesellschaft bezahlen.

Zusammenfassung:

 

LONG

SHORT

Call

Das Recht Aktien zu kaufen

Die Verpflichtung Aktien zu verkaufen

Put

Das Recht Aktien zu verkaufen

Die Verpflichtung Aktien zu kaufen

Beachten Sie bitte, dass die „long“ und „short“ Positionen genau die entgegengesetzten Seiten einer Transaktion sind.

Long Call und Short Call

So muss der „long“ Call (Call-Options-Käufer) mit dem „short“ Call (Call-Options-Verkäufer) übereinstimmen, in Underlying (Aktie), Basispreis und Laufzeit

  • Call-Options-Käufer “1-GOOG-Dez12-600-Call-Option“.
  • Call-Options-Verkäufer “1-GOOG-Dez12-600-Call-Option“.

Der Call-Options-Käufer hat das Recht, Aktien zu kaufen, während der Call-Options-Verkäufer die Verpflichtung hat, Aktien zu verkaufen.

Rechte und Pflichten sind genau gegensätzlich.

Wenn der Call-Options-Käufer sein Recht ausüben will, um Aktien zu kaufen, so wird der Call-Options-Verkäufer dafür herangezogen oder assigniert (engl. „assigned“), Aktien zu verkaufen.

Somit sind Kauf und Verkauf ebenfalls genau gegensätzlich.

Long Put und Short Put

Der „long“ Put (Put-Options-Käufer) muss mit dem „short“ Put (Put-Options-Verkäufer) übereinstimmen.

  • Put-Options-Käufer “1-GOOG-Dez12-600-Put-Option“.
  • Put-Options-Verkäufer “1-GOOG-Dez12-600-Put-Option“.

Der Put-Options-Käufer hat das Recht, Aktien zu verkaufen, während der Put-Options-Verkäufer die Verpflichtung hat, Aktien zu kaufen.

Rechte und Pflichten sind gegensätzlich.

Wenn der Put-Options-Käufer sein Recht ausüben will, um Aktien zu verkaufen, so wird der Put-Options-Verkäufer dafür herangezogen oder assigniert (engl. „assigned“), Aktien zu kaufen.

Somit sind Kauf und Verkauf auch gegensätzlich.

Diese Bedingungen sind erforderlich, um einen reibungslosen Ablauf im Options-Trading an den Börsen zu gewährleisten.

Beide Parteien (Options-Käufer und Options-Verkäufer) können nicht dasselbe Recht/Verpflichtung haben.

Eine Partei hat das Recht, Aktien zu kaufen ( Long /Call-Option) oder Aktien zu verkaufen (Long/Put-Option) während die andere Partei die Verpflichtung hat Aktien zu verkaufen (Short/Call-Option) oder Aktien zu kaufen (Short/Put-Option).

Diese Anordnung ist oft eine Quelle der Verwirrung für neue Trader und Investoren. Diese fragen sich, wie das Options-Trading überhaupt funktionieren kann, wenn jeder das Recht zum Kauf oder Verkauf hat.

Die Antwort ist:

Nur der Options-Käufer („Long-Option“) hat Rechte, dafür muss dieser eine Optionsprämie bezahlen.

Dagegen hat der Options-Verkäufer („Short-Option“) die Pflicht, dafür wird dieser mit der Optionsprämie bezahlt.

Long-Optionen haben Rechte. Short-Optionen Pflichten.

Es ist wichtig dieses Verhältnis zu verstehen, wenn Sie den Trading Economics-Options-Leitfaden
"Die wunderbare Welt der Optionen" komplett durcharbeiten. Speziell wenn wir zu der Trading Economics-Aktien-Absicherungs-Strategie kommen.

Warnung: Bevor Sie nun anfangen, über “Optionen shorten” nachzudenken, spreche ich hier eine deutliche WARNUNG aus!!!

Optionen zu “shorten” kann sehr, sehr riskant sein, wenn Sie nicht wissen, was Sie tun.

Gerade dieses Options-Shorting gibt diesem so wunderbaren Finanzinstrument einen so schlechten Ruf!!

Genau das hat die Barrings Bank ruiniert!!!

Lassen Sie mich an einem Beispiel erklären wie so etwas passieren kann:.

Am 1. März 2006 notiert die Google-Aktie bei $ 364 und Sie “shorten” eine “1-GOOG-März06-380-Call-Option“ für $ 4/Option, die bis zum Ausübungsdatum noch 18 Tage Restlaufzeit hat.

Sie erhalten für die “1-GOOG-März06-380-Call-Option“ vom Käufer eine Gutschrift von $ 400. (100 Google-Aktien x $ 4/Option) auf Ihrem Broker-Konto.

Sie sind “1-GOOG-März06-380-Call-Option“-“short” gegangen, weil Sie der Meinung sind, dass die Google-Aktie in den nächsten 18 Tagen nicht über $ 380 steigen wird.

Wenn die Google-Aktie die nächsten 18 Tage unter $ 380 handelt, gehören die $ 400 Ihnen. Sie sind der Meinung, dass eine $ 16 Bewegung in den nächsten 18 Tagen ein sehr starker Anstieg wäre, und die Chancen stehen gut, dass dies nicht der Fall sein wird.

Am 16. März (zwei Tage bis zum Ausübungsdatum der Option) handelt die Google-Aktie bei $ 338 und Sie fühlen sich glücklich, dass die $ 400 in zwei Tagen unwiderruflich Ihnen gehören.

Nun wird bekanntgegeben, dass Google in den S&P 500 Index aufgenommen wird und die Aktien von Google schießen $ 40 auf $ 409/Aktie nach oben, am Ausübungsdatum der “1-GOOG-März06-380-Call-Option“ steht die Google-Aktie bei $ 410.

Sie haben jetzt ein ernstes Problem.

Wenn Sie die “1-GOOG-März06-380-“short“-Call-Option“ schließen wollen, müssen Sie diese durch “1-GOOG-März06-380-“long“-Call-Option“ zurückkaufen.

Oder wenn es der Käufer wünscht, müssen Sie 100 Google-Aktien zu einen Preis von $ 380 liefern.

Wenn Sie aufgefordert werden, die Google-Aktien zu liefern und Sie besitzen die 100 Aktien von Google nicht, müssen Sie diese zu dem aktuellen Google-Aktien-Preis von $ 410 an der Börse kaufen.

Egal welche der zwei Möglichkeiten schlussendlich zum Tragen kommt, es kostet Sie sehr viel Geld.

Wenn Sie die “1-GOOG-März06-380-“short“-Call-Option“ Position schließen wollen und kaufen diese Google-Option zurück, dann kostet es Sie $ 3.000 ($ 30 x 100 Google-Aktien).

Denn die “1-GOOG-März06-380-“long“-Call-Option“ hat jetzt zumindest einen inneren Wert von $ 30 (Aktueller Google-Kurs $ 410 minus $ 380 Basispreis), das ist ein großer Verlust gegenüber den $ 400, die Sie vereinnahmt haben.

Wenn die Google-Aktie auf $ 450 geklettert wäre und Sie müssen dann Ihre “1-GOOG-März06-380-“short“-Call-Option“ mit einer “1-GOOG-März06-380-“long“-Call-Option“ zurückkaufen, würde Sie das $ 7.000 kosten; und das nur für einen einzigen Google-Options-Kontrakt.

Sind Sie mit “5-GOOG-März06-380-Call-Optionen“ – “short” und die Google-Aktie steigt auf $ 450, dann würde Ihr Verlust $ 35.000 betragen.

Eine große Menge Geld.

Bei noch mehr “GOOG-März06-380-“short“-Call-Option“ ist in diesem Falle Haus und Hof in Gefahr!

Wenn Sie nur Google-Optionen “shorten“, haben Sie ein limitiertes Gewinnpotential aber ein unlimitiertes Risiko in ihrem Portfolio .

Das ist an sich betrachtet keine erfolgversprechende Kombination.

Wenn Sie Optionen “shorten” und Sie besitzen die zugrunde liegenden Aktien nicht wirklich, so nennt man dies auch “Nacktverkauf” (engl. „short naked“, das heißt Ihr Risiko ist UNBEGRENZT und Ihr Gewinn BEGRENZT und NICHTS SCHÜTZT Ihre Position.

Deshalb ist mein Rat ganz einfach … und ich werde es in großen und fetten Buchstaben schreiben.

NIEMALS, NIEMALS, NIEMALS UND NOCHMALS NIEMALS SHORTEN SIE “NUR” Optionen, EGAL OB “SHORT CALLS” ODER “SHORT PUTS”, OHNE EINE ABSICHERUNG ZU HABEN, ES KANN IHREN FINANZIELLEN WOHLSTAND RUINIEREN!!!

Das einzig Gute an diesem Konzept ist: Wenn Sie eine Short-Option verkaufen, bekommen Sie eine “Prämie” gutgeschrieben. Aber diese ist gegenüber dem Risiko gerechnet verschwindend gering.

Wie auch immer: Sie sollten niemals eine Option nackt “shorten”. Sie brauchen etwas, was Ihre Position “BESCHÜTZT”, wenn Sie das tun.

Und wie man das tut, werden wir im Trading Economics-Options-Leitfaden > Kapitel 20 „Was sind Options-Spreads?“ behandeln.

Lesen Sie bitte “Was sind Long und Short Kontrakte?” nochmals oder mehrmals durch, damit Sie die Begriffe “long” und “short” sicher verinnerlichen.

Es ist sehr wichtig, diese Begriffe zu verstehen.

Wenn Sie mit mit den Begriffen “long” und “short” vertraut sind, lesen Sie bitte weiter.

Im nachfolgenden Kapitel unseres Trading Economics-Options-Leitfaden sehen wir uns gemeinsam an, wie man einen Options-Kontrakt kauft und wieder verkauft.

 

Alexander Firstbrain
Investor und Autor
Trading Economics
tradingeconomics.net