Der Trading Economics-Options Leitfaden
"Die wunderbare Welt der Optionen"

Kapitel 6 >  Was sind Calls und Puts?

 

Wir haben im Kapitel 5 "Was ist überhaupt eine Option?"  gesehen, dass eine  Option einer Person das Recht, aber nicht die Verpflichtung  gibt, etwas zu tun. Wir haben auch gesehen, wie eine Option eingesetzt wurde, um ein Grundstück zu kaufen. Am Beispiel unseres Strandgrundstückes  haben wir die verschiedenen Szenarien dargestellt, die sich für die verschiedenen Optionsarten (Put und Call) und für die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten (Kauf und Verkauf) ergeben. .

In diesem Kapitel 6 "Was sind Calls und Puts?" werden wir uns näher damit befassen, wie Optionen als Finanzinstrument am Aktienmarkt genutzt und eingesetzt werden.

Gleich zum Anfang ein Hinweis:

Um einer Verwirrung über die Begriffe “Option und Optionskontrakt” vorzubeugen, möchten wir an dieser Stelle folgendes festhalten:

1 Optionskontakt besteht immer aus 100 Optionen, das heißt eine Option ist der hundertste Teil eines Optionskontraktes.

Auch die preisliche Darstellung eines Optionskontraktes innerhalb einer sogenannten Options Chain (= Optionskette) bezieht sich immer auf eine einzelne Option, ist also jeweils mit dem Multiplier zu multiplizieren (bei Aktien grundsätzlich 100 – außer bei sogenannten „Minis“, bei denen der Multiplikator nur 10 beträgt, da sich diese auch nur auf 10 Aktien beziehen wie z. B. bei Google (GOOG)).

Beispiel 1:
Eine Option kostet $ 1,93
Ein Optionskontrakt kostet dann $ 193,- (1,93/Option x 100 Optionen = $ 193,-).

Beispiel 2:
Eine Option kostet $ 1,93
Sie wollen 3 Optionskontrakte kaufen…
Diese kosten Sie dann $ 579,- (1,93/Option x 100 x 3 Optionskontrakte = $ 579,-).

Sie können nicht einzelne Option kaufen, sondern immer nur die von den Börsen festgelegte Einheit von mindestens EINEM Optionskontrakt, dieser beinhaltet bei Aktien immer 100 Optionen (bis auf o. a. Ausnahmen bei den „Minis“).

Wenn Sie 3 Optionskontrakte kaufen Sie 300 Optionen.

Wenn Sie 10 Optionskontrakte kaufen Sie 1.000 Optionen.

Jetzt werden wir erläutern, wie man Optionen nützlich einsetzt.

Was also sind nun Calls und Puts?

Call-Option

Ein Käufer wird z.B. Google-Call-Optionen kaufen, wenn er der Meinung ist, der Aktienpreis von Google werde STEIGEN.

Eine Call-Option ist eine Option,

  1. bei welcher der Käufer das Recht, aber nicht die Verpflichtung hat, einen im Voraus bestimmten Basiswert (in unserem Fall “Aktien”)
  2. in einer im Voraus festgelegten Menge (bei Aktien 100),
  3. zu einem im Voraus festgelegten Preis (Basispreis, Ausübungspreis),
  4. innerhalb eines im Voraus bestimmten Zeitraums (Kontraktlaufzeit),

vom Verkäufer der Call-Option zu KAUFEN.

Der Verkäufer der Call-Option ist zur LIEFERUNG der Aktie verpflichtet. Für diese Verpflichtung erhält er die Optionsprämie vom Käufer der Option.

Put-Option

Ein Käufer wird z.B. Google-Put-Optionen kaufen, wenn er der Meinung ist, der Aktienpreis von Google werde FALLEN.

Eine Put-Option ist eine Option,

  1. bei welcher der Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht hat, einen im Voraus bestimmten Basiswert (in unserem Fall “Aktien”)
  2. in einer im Voraus festgelegten Menge (bei Aktien 100),
  3. zu einem im Voraus festgelegten Preis (Basispreis, Ausübungspreis),
  4. innerhalb eines im Voraus bestimmten Zeitraums (Kontraktlaufzeit),

dem Verkäufer der Put-Option zu VERKAUFEN.

Der Verkäufer der Put-Option ist zur ABNAHME der Aktie verpflichtet, für diese Verpflichtung erhält er die Optionsprämie vom Käufer der Option.

„Das Recht Aktien dem Verkäufer der Put-Option zu VERKAUFEN“???

Keine Sorge, dies ist nicht kompliziert, im Kapitel des Trading Economics-Options-Leitfadens „Was ist eine Put Option? werden wir eine Put Option genauer unter die Lupe nehmen.

Wenn dies das erste Mal ist, dass Sie mit dem Thema Derivate im Wertpapierhandel oder besser gesagt mit dem Konzept von Call- und Put-Optionen konfrontiert werden, so kann ich verstehen, dass das alles ein wenig beängstigend klingt.

Aber keine Panik!!!

Wie schon erwähnt: Wenn Sie mit dem Optionskonzept einmal vertraut sind, wird Ihnen der große Vorteil des Options-Trading -speziell in Verbindung mit dem Aktien-Trading -erst richtig bewusst werden. Und nach geraumer Zeit wird Ihnen, dass Trading mit Optionen so leicht fallen wie Pizza bestellen.

Machen wir es einfacher, denn Sie werden sicherlich denken, das ist ja schon am Anfang kompliziert.

Sie sind ständig von Optionen umgeben, nur ist es Ihnen „noch“ nicht bewusst!

Sie haben doch sicher schon mal einen Coupon gesehen, der so ähnlich aussieht wie folgt:

Bella Italia-Pizza
1 große Bella Italia-Pizza
Euro 6,-
Das Angebot ist gültig bis zum 31.08.2012, 24 Uhr

Meine Damen und Herren: Das ist eine Option (die Sie „ausüben“, also nutzen können)!!!

Pizza-Coupons und Call-Optionen verhalten sich ähnlich.

Dieser Pizza-Coupon gibt dem Besitzer das Recht eine „große Bella Italia-Pizza“ innerhalb des aufgedruckten Zeitraumes zu kaufen. Aber er ist dazu nicht verpflichtet. Die Entscheidung bleibt dem Besitzer des Coupons überlassen.

Sehen wir uns zum Vergleich aus der Sicht des Käufers eine Call-Option an,

1. Ich habe ein Recht, eine bestimmte Aktie zu kaufen („große Bella Italia-Pizza“)
2. Ich habe ein Recht, eine bestimmte Menge zu kaufen („1 große Bella Italia-Pizza“)
3. zu einem vorher bestimmten Preis (Euro 6,-)
4. über einen vorher bestimmten Zeitraum (bis 31.08.2012, 24 Uhr)

Sehen Sie, wie groß die Ähnlichkeit zwischen einem Pizza-Coupon und einer Call-Option ist?

Wenn Sie der Besitzer der Pizzeria, also der Verkäufer wären und ich als Käufer meinen Pizza-Coupon einlösen/ausüben will, so sieht das aus der Sicht des Verkäufers, im Vergleich mit einer Call-Option, folgendermaßen aus:

1. Ich habe die Pflicht, eine bestimmte Aktie zu liefern („große Bella Italia-Pizza“)
2. Ich habe die Pflicht, eine bestimmte Menge zu liefern („1 große Bella Italia-Pizza“)
3. zu einem vorher bestimmten Preis, den ich beim einlösen des Coupons bekomme (Euro 6,-)
4. über einen vorher bestimmten Zeitraum (bis 31.08.2012, 24 Uhr)

Wenn Sie verstehen, wie ein einfacher Pizza-Coupon funktioniert, so verstehen Sie auch, wie eine Call-Option funktioniert.

So einfach ist das…

Hinweis: In diesem und allen nachfolgenden Kapiteln des Trading Economics-Options-Leitfadens
"Die wunderbare Welt der Optionen" wird ein Optionsinhaber, Optionskäufer oder einfach nur “Käufer” und ein Optionsverkäufer, Stillhalter oder einfach nur “Verkäufer” genannt.

Sehen wir uns trotzdem die Komponenten ein bisschen näher an; damit es noch klarer wird.
Aber vergessen Sie dabei nicht: 1 Optionskontakt besteht immer aus 100 Optionen, das heißt eine Option ist der hundertste Teil eines Optionskontraktes.

1. Käufer und Verkäufer

Die Person, die die Option kauft, ist offensichtlich der Käufer der Option. Er besitzt anschließend die Option.

Die Person, die die Option ausstellt/schreibt ist der Verkäufer der Option. Er verkauft die Option (und ist diese dann „short“).

Nun beachten Sie bitte: Für jede einzelne Option gibt es immer EINEN Käufer und EINEN Verkäufer.

Denken Sie bitte darüber nach: Wenn Sie eine Option KAUFEN, muss Ihnen irgendwer diese Option auch VERKAUFEN!

Wenn Sie diese Option, im Rahmen der Restlaufzeit, wieder VERKAUFEN wollen (= schließen, glattstellen) muss irgendjemand diese Option auch KAUFEN.

Dabei kann niemand die Merkmale eines Optionskontraktes beeinflussen wie z.B. bei den in Deutschland so beliebten (warum auch immer) Optionsscheinen, bei denen der Emittent des Optionsscheines nach eigenem Gutdünken alle Variablen (natürlich zu ausschließlich seinem eigenen Vorteil) festlegen kann!!!

Denn US Optionen sind ALLE standardisiert und werden von einer unabhängigen Stelle für den Handel genehmigt. Eine der unverzichtbaren Bedingungen um einen fairen und unabhängigen Handel zu gewährleisten!!!

2. Aktien kaufen oder verkaufen

Es gibt zwei Typen von Optionen:

a) Eine CALL-Option
Diese gibt dem Käufer das Recht, Aktien vom Verkäufer der Call-Option zu KAUFEN.

b) Eine PUT-Option
Diese gibt dem Käufer das Recht, Aktien dem Verkäufer der Put-Option zu VERKAUFEN.

“Aktien dem Verkäufer der PUT-Option zu VERKAUFEN”??? – Was heißt das?

Wie schon erwähnt, im Kapitel des Trading Economics-Options-Leitfaden „Was ist eine Put Option?“ folgt die Spezifizierung einer PUT-Option.

3. Aktien eines Unternehmens

Eine Option bezieht sich auf die Aktie eines Unternehmens (deshalb wird eine Option auch als ein Derivat genannt), das an der Börse gelistet ist. Das kann IBM, Google, Apple, Mercedes, BMW, Deutsche Telekom etc. sein.

Die zugrundeliegende Aktie wird auch “Underlying” genannt.

Eine Option nennt man auch “Kontrakt oder Optionskontrakt”.

Hinweis: Jeder “einzelne” Call- oder Put-Optionskontrakt umfasst immer 100 Optionen, d. h. er bezieht sich auf 100 Aktien als Underlying.

Beispiel Call-Optionskontrakt:

Wenn ich EINEN Google Call-Optionskontrakt kaufe, dann habe ich das Recht aber nicht die Pflicht,

  • 100 Google Aktien,
  • innerhalb eines im Voraus bestimmten Zeitraums,
  • zu einem im Voraus festgelegten Preis,
  • vom Verkäufer des Call-Optionskorntraktes zu KAUFEN...

Wenn ich 9 Google Call-Optionskontrakte kaufe, dann habe ich das Recht aber nicht die Pflicht,

  • 900 Google Aktien,
  • innerhalb eines im Voraus bestimmten Zeitraums,
  • zu einem im Voraus festgelegten Preis,
  • vom Verkäufer des Call-Optionskorntraktes zu KAUFEN.

Bei 17 Google-Call-Optionskontrakte sind es 1.700 Aktien.

31 Google-Call-Optionskontrakte sind 3.100 Aktien … etc.

Beispiel Put-Optionskontrakt:

Wenn ich EINEN Google Put-Optionskontrakt kaufe, dann habe ich das Recht aber nicht die Pflicht,

  • 100 Google Aktien,
  • innerhalb eines im Voraus bestimmten Zeitraums,
  • zu einem im Voraus festgelegten Preis,
  • dem Verkäufer des Put-Optionskorntraktes zu VERKAUFEN.

Wenn ich 6 Google Put-Optionskontrakte kaufe, dann habe ich das Recht aber nicht die Pflicht,

  • 600 Google Aktien,
  • innerhalb eines im Voraus bestimmten Zeitraums,
  • zu einem im Voraus festgelegten Preis,
  • dem Verkäufer des Put-Optionskontraktes zu VERKAUFEN.

Bei 12 Google-Put-Optionskontrakte sind es 1.200 Aktien.

26 Google-Put-Optionskontrakte sind 2.600 Aktien … etc.

“dem Verkäufer des Put-Optionskorntraktes, zu VERKAUFEN”???

Nochmals, im Kapitel des Trading Economics-Options-Leitfadens „Was ist eine Put Option?“ werden wir uns die Spezifikation einer Put Option ansehen.

Beachten Sie bitte auch: Jede Aktie, die an einer anerkannten Börse gelistet ist, hat ihr eigenes Ticker Symbol.

Das Symbol z. B. für Google ist “GOOG”, für Amazon “AMZN”, für Apple „AAPL“ oder für United States Steel Corp. schlicht ein “X”.

Schauen Sie unter www.google.com/finance oder de.finance.yahoo.com rein, da finden Sie fast alle Ticker Symbole der verschiedensten Unternehmen.

Nicht alle Aktiengesellschaften haben Optionen. Aber die meisten Unternehmen haben genug davon, da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.

4. Der Ausübungspreis oder Basispreis

Der Basispreis oder Ausübungspreis wird auch “Strike” genannt.

Der Ausübungspreis oder Basispreis ist der Preis,

den man für eine Aktie bezahlen muss, wenn man diese vom Verkäufer der Call Option, KAUFT.

bzw. den man für eine Aktie bekommt, wenn man diese dem Verkäufer der Put Option, VERKAUFT.

“dem Verkäufer der Put Option, VERKAUFT”???

Auch hier: im Kapitel des Trading Economics-Options-Leitfaden „Was ist eine Put Option?“ werden wir uns eine Put Option genauer ansehen.

5. Ein spezielles Datum in der Zukunft (Verfallstag oder auch „Expiration Date“ genannt)

Die Laufzeit einer Option bezeichnet den Zeitraum zwischen dem aktuellen Datum und dem Tag, an dem die Option zuletzt ausgeübt werden kann.

Der Käufer hat das Recht aber nicht die Pflicht während der gesamten Laufzeit der Option sein Recht auszuüben (Zur Erinnerung: wir sprechen nur von US-Optionen)

Dieses spezielle Datum nennen wir Verfallstag oder im Englischen „Expiration Date“.

Beispiel: Der Käufer kauft eine Google-Call-Option, die berechtigt, bis zum Stichtag (Bei Aktien: dem dritten Freitag des jeweiligen Monats) z. B. im Dezember 2014, 100-Google-Aktien zu einem im Voraus festgelegten Preis vom Verkäufer zu kaufen. Das Recht auf Ausübung der Option erlischt (engl.: expire) mit dem Verfallstag im Dezember 2014.

Der Stichtag dritter Freitag im Dezember 2014 ist in diesem Fall das Verfallsdatum der Google-Call-Option. Danach ist die Option in jedem Falle wertlos.

Eine Option muss deshalb – falls gewünscht - ausgeübt (sein Recht wahrnehmen) oder wieder weiterverkauft werden, bevor das im Voraus bestimmte Verfallsdatum erreicht wird.

Der Punkt, den Sie hier verstehen müssen ist: Das Leben einer Option ist zeitlich begrenzt. Wenn das Verfallsdatum überschritten wird, hört die Option auf zu existieren.

Es gibt zwei Arten der Options-Ausübung:

Zahlung und Lieferung (engl.: physical delivery) der Aktie oder den Barausgleich (engl.: cash settlement)

Auf diese zwei Arten der Ausübung werden wir in einem späteren Kapitel noch genauer eingehen.

Nur so viel vorweg: es ist nichts Kompliziertes; machen wir es einfach:

  • bei Zahlung und Lieferung (physical delivery) wird die „Ware (Aktien)“ geliefert.
  • Und bei einem Barausgleich. (cash settlement), wird die „Ware (Aktien)“ nicht geliefert, sondern die Preisdifferenz mit Bargeld ausgeglichen.

In der Praxis findet jedoch sehr selten die Lieferung der Aktien statt, in aller Regel wird ein Investor die Option vor dem Verfallstag wieder verkaufen (Stichwort: Zeitwert und Gebührenersparnis – dazu später mehr).

6. Die Prämie

Der Verkäufer wird dem Käufer die Option natürlich nicht kostenlos geben. Er will eine Gebühr für die Übernahme des Risikos. Sie erinnern sich an die Menschen aus Kapitel 2 "Warum gibt es überhaupt einen Optionsmarkt?", die uns ein Risiko gegen Zahlung eine Prämie abnehmen?

Diese Gebühr nennen wir Optionsprämie (engl.: Premium).

Da jeder einzelne Call oder Put Optionskontrakt sich immer auf 100 Aktien bezieht, müssen wir die Optionsprämie auch immer mit 100 multiplizieren.

Beispiel:

Sie Kaufen einen Google Call oder Put Optionskontrakt für $30/Option.

Die Optionsprämie beträgt in diesem Fall $ 3.000 (1 Optionskontrakt/Option x 100 Aktien x $ 30 = $ 3.000 Optionsprämie.)

Wenn Sie 3 Google Optionskontrakte für $ 30/Option kaufen, beträgt die Optionsprämie $ 9.000 (3 Optionskontrakte/Optionen x 100 Aktien x $ 30 = $ 9.000 Optionsprämie.)

Der Verlust des Käufers einer Option ist immer auf die dem Verkäufer der Option gezahlte Optionsprämie begrenzt; er kann also niemals mehr verlieren.

Wenn das Ausübungsdatum überschritten wird, ist die Option wertlos.

Wir werden das Thema Optionsprämie, im Trading Economics-Options-Leitfaden „Wie werden Optionen preislich gestaltet“? noch ausführlich behandeln.

Ich werde jetzt im Folgenden erklären, wie Optionen in unserem täglichen Leben als Trader/Investor funktionieren.

Gehen wir zurück zu unserem Grundstückskauf.

Erinnern Sie sich noch?

Im Trading Economics-Options Leitfaden Kapitel 5Was ist überhaupt eine Option?“ habe ich mir Ende September 2010 mit $10.000 das Recht, aber nicht die Verpflichtung gekauft,

  • in den nächsten 6 Monaten (sagen wir, das Ausübungsdatum ist der 31. März 2011, das ist der letzte Tag im Leben dieser Option)
  • das Grundstück (sagen wir, die Adresse ist Strandstraße 1)
  • für 1 Million US-Dollar zu kaufen.

Das wäre eine Call-Option, mit der ich das Recht habe, bis zum 31. März 2011 das Grundstück (= Basiswert) für 1 Million US-Dollar zu kaufen.

Sagen wir auch, am 17. Januar 2011 wurde bekanntgegeben: Nur 20 Minuten Fußweg entfernt von der Strandstraße 1 soll ein neuer Bahnhof gebaut werden und nur 10 Minuten Autofahrt entfernt ein neues Einkaufszentrum mit allem, was das Herz begehrt.

Alle Grundstücke legen dadurch erst mal an Wert zu, mein Grundstück ist so im Preis auf 1,5 Millionen US-Dollar gestiegen.

Das sind gute Nachrichten für mich, denn ich habe ja das Recht, aber nicht die Verpflichtung, das Grundstück Strandstraße1 für 1 Million US-Dollar zu kaufen.

Das heißt: Je früher ich mein Recht beanspruche und meine Option ausübe und das Grundstück kaufe, desto schneller könnte ich dieses für einen Preis von $ 1,5 Millionen wieder verkaufen – und mache dadurch einen Gewinn von $ 490.000 ($ 500.000 minus $10.000 Options-Prämie, die ich dem Besitzer bezahlt habe).

Der Besitzer des Grundstücks (der Verkäufer der Option) ist der Verlierer in diesem Geschäft, er MUSS mir das Grundstück bis zum 31. März 2011 für “nur” 1 Million US-Dollar verkaufen, sobald ich es von ihm verlange

So, dieser Punkt ist sehr, sehr wichtig, deshalb will ich ihn noch einmal wiederholen:

Der Besitzer MUSS in diesen 6 Monaten, wenn ich es wünsche an mich verkaufen. Er kann nicht einfach aus dem Vertrag aussteigen oder an jemand anderen verkaufen.

Er hat mit mir einen rechtlich bindenden Vertrag gemacht. Er hat deshalb $ 490.000 verloren (oder besser nicht verdient). Diesen Verlust hätte er nicht gemacht, wenn er mit mir keinen Vertrag geschlossen hätte und das Grundstück am freien Markt anbieten könnte.

Lassen Sie mich jetzt ein anderes Szenario durchspielen.

Anstatt einen neuen Bahnhof und einen neuen Supermarkt in unmittelbarer Umgebung zu bekommen, geschieht Folgendes:

Tsunami-Warnung!

Das Grundstück liegt sehr nahe und flach am Meer. Und nun geschieht das schier Unmögliche: Ein Tsunami verwüstet am 17 Januar 2011 das Grundstück.

Ein riesiges Schiffswrack eines Öltankers liegt jetzt auf dem verwüsteten Stück Land, das ich kaufen will, und der größte Teil der Küste und mein Grundstück sind mit Öl verseucht.

Dadurch fällt der Wert des Grundstücks auf 300.000 US-Dollar.

Würden Sie an meiner Stelle die Option ausüben und dass Grundstück kaufen?

Ich hoffe, Ihre Antwort ist NEIN!

Der Grund ist einfach.

Wenn ich meine Option jetzt ausüben und das Grundstück kaufen würde, müsste ich dem Besitzer 1 Million US-Dollar bezahlen, obwohl das Grundstück nur mehr $ 300.000 Wert ist.

Das wäre nicht sehr schlau, oder?

Wie war das doch gleich wieder …

Ich habe mir mit $ 10.000 US-Dollar das Recht, aber nicht die Verpflichtung gekauft, in den nächsten 6 Monaten das Grundstück für 1 Million US-Dollar zu kaufen.

Ich übe einfach die Option nicht aus …

… und lasse die Option auslaufen (engl.: expire) bzw. verfallen. Das Maximale, was ich verloren habe, sind die $ 10.000 die ich dem Besitzer gegeben habe. Und habe mir zusätzlich einen Verlust von $ 700.000 erspart!

Der Besitzer hat einen Gewinn von $ 10.000 US-Dollar gemacht und besitzt das Grundstück weiterhin (mit einem Wert von $ 300.000 oder einem “Buch-Verlust” von $ 700.000). Jetzt ist er wieder frei, er kann nun wieder verkaufen, an wen er will.

Bitte lesen Sie “Was sind Calls und Puts?” nochmals durch, damit Sie das Options-Konzept sicher verstehen.

Prägen Sie sich bitte diese oben geschriebenen Absätze ein und lesen Sie diesen Abschnitt nochmals oder des Öfteren durch. Sie müssen dieses Konzept verstehen!!!

Ich schätze, wenn Sie das zum ersten Mal lesen, wird es Ihnen sehr komplex vorkommen.

Atmen Sie einmal tief ein und aus und entspannen Sie sich.

 

Alexander Firstbrain
Investor und Autor
Trading Economics
tradingeconomics.net