Der Trading Economics-Options Leitfaden
"Die wunderbare Welt der Optionen"

Kapitel 5 >  Was ist überhaupt eine Option?

 

Im Kapitel 4 "Kann man wirklich erfolgreich Optionen handeln?" haben wir versucht Ihnen die vielleicht vorhandenen Vorbehalte gegenüber Optionen zu nehmen. Wir haben angedeutet, dass wir Optionen als ein unerlässliches Werkzeug für ein verantwortliches Risiko- und Portfolio-Management in unserem Aktienportfolio ansehen.

Bevor ich in diesem Kapitel 5 " Was ist überhaupt eine Option?" erkläre, ist es wichtig zu erörtern, was eine Unternehmens-Aktie ist.

Eine Aktie ist ein Wertpapier, welches ein Eigentumsanteilrecht des Aktionärs an einer Gesellschaft in einer Aktienurkunde verbrieft und auf den Namen und den Inhaber lauten kann. Die Aktie stellt einen Anteil am Gesellschaftskapital einer Kapitalgesellschaft dar.

Aktiengesellschaften werden an den verschiedensten Börsenplätzen gehandelt

Deutsche Börsenplätze
Neben dem Börsenplatz Frankfurt mit seiner elektronischen Börse Xetra® und Frankfurt mit der bekannten Derivate-Börse Euwax®, gibt es noch viele interessante Alternativen für Privatanleger in Deutschland. So hat sich beinahe jeder Börsenplatz auf bestimmte Wertpapiere oder Börsensegmente spezialisiert (Stuttgart z. B. für Optionsscheine). Mehr über deutsche Börsenplätze

Xetra® - Referenzmarkt für deutsche Aktien
Immer mehr private Investoren wollen von einer hohen Liquidität profitieren, die von anderen deutschen Börsenplätzen nicht erreicht wird. Aber nicht nur die große Liquidität spricht für Xetra®. Die elektronische Handelsplattform bietet höchste Transparenz und die breiteste Angebotspalette mit über 500.000 Produkten. Mehr Informationen zu Xetra...

Europäische Börsenplätze
Nachdem ein Übernahmeangebot der Deutschen Börse abgelehnt wurde, fusionierte die Euronext® im Jahre 2006 mit der New York Stock Exchange (NYSE®) und formte so als NYSE Euronext® die erste transatlantische Börse der Welt. Die größte und älteste europäische Börse ist in London ansässig.Mehr zu europäischen Börsenplätzen...

Internationale Börsenplätze
Der Einfluss der internationalen Aktienmärkte auf den deutschen Aktienmarkt ist enorm. Egal ob Asien mit seiner Wertpapierbörse Tokio, die den neuen Handelstag einläutet oder Amerika mit der weltgrößten Wertpapierbörse NYSE® oder besser bekannt als Wall Street. Die wichtigsten internationalen Börsenplätze...

An diesen Börsen können Sie Aktien von den größten Unternehmen dieser Welt kaufen und verkaufen. Wie z.B. VW, Mercedes, IBM, Google, Apple, General Electric, Yahoo, Nike und HSBC, um nur einige zu nennen.

Die Händler und Investoren machen/schaffen an den Börsen, durch Angebot und Nachfrage, die Aktienpreise.

Je mehr Aktien Sie von einer Gesellschaft besitzen, desto größer ist Ihr Anteil an diesem Unternehmen. Wenn Sie alle Aktien einer Gesellschaft besitzen, so besitzen Sie zu 100% dieses Unternehmens!

Wenn Sie Aktien von einem Unternehmen besitzen, so haben Sie etwas Greifbares, Physisches in der Hand (oder im Depot).

Wenn Sie 100 Aktien von Mercedes besitzen, dann gehören diese Ihnen. Sie können mit diesen tun, was immer Sie wollen. Sie können sie behalten, so lange Sie wollen (Ihr ganzes Leben lang, wenn Sie wollen, ja sogar vererben) oder Sie können diese jederzeit während der Börsenzeiten verkaufen.

Wenn der aktuelle Preis der Aktie über Ihren Kaufpreis steigt und Sie zu diesem höheren Preis Ihre Aktien verkaufen, dann haben Sie einen Gewinn gemacht.

Beispiel: Google Inc. (Kürzel: GOOG)-Nasdaq®

Sie kaufen 100 Aktien von Google zu einem Preis von $ 600/Aktie.

Das kostet Sie $ 60.000 (100 St. x $ 600/Aktie).

Ab dem Zeitpunkt, wo die Transaktion stattgefunden hat, gehören die 100 Google-Aktien Ihnen.

Einen Monat später liegt der Preis der Google Aktie an der Börse bei $ 650 je Aktie. Da Sie ja die Aktien physisch besitzen, könnten Sie Ihre Aktien an der Börse jederzeit einem anderen Investor verkaufen.

In diesem Fall wären Ihre 100 Aktien nun $ 65.000 wert (100 St. x $ 650/Aktie).

Verkaufen Sie nun Ihre Aktien zu einem Preis von $ 650/Aktie, so machen Sie $ 5.000 Gewinn.

Aber dasselbe gilt auch in die andere Richtung: Sagen wir, Sie kaufen dieselben 100 Google Aktien zu einem Preis von $ 600/Aktie. Aber der Aktienpreis steigt nicht, sondern fällt auf $ 520 je Aktie. Wenn Sie jetzt Ihre Aktien zu diesem “niedrigen” Preis verkaufen „müssen“, machen einen Verlust von $ 8.000.

Schlimmer noch: Sollte sich Google als eine Lehman-Brothers-Aktie entpuppen und Konkurs anmelden, dann sind Ihre Aktien 0 Wert und Sie verlieren $ 60.000.

Ok, ich hoffe, ich hab es verständlich rübergebracht…

Der Aktienmarkt wurde geschaffen, damit sich öffentlich gehandelte Unternehmen, Kapital beschaffen können.

Zum Beispiel hatte Microsoft im März 1986 seinen Börsengang (IPO = Initial Public Offering) und verkaufte 2,8 Millionen Aktien für $ 21/Aktie. Dadurch flossen $ 58.800.000 in die Microsoft Kasse.

In relativ kurzer Zeit und sehr effizient, hat Microsoft fast 59 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt, mit dem das Unternehmen dann wachsen konnte.

Die Schaffung des Aktienmarktes löste für Unternehmen ein sehr wichtiges Problem der Kapitalbeschaffung, aber dadurch tauchte auch ein neues Problem auf.

Das Problem des Risikos.

Wenn Sie Aktien kaufen so kaufen Sie sich damit ein Stück von der Firma und machen sich somit von deren Erfolg und dem Kursverlauf an den Börsen abhängig.

Mit so einem Aktienkauf kann man hohe Gewinne realisieren.

Aber hohe Gewinne birgt auch immer das Potential für hohe Verluste in sich.

Denken Sie nur Anfang 2001 an Enron; dieses Unternehmen wurde zu diesem Zeitpunkt als ein Marktführer im Energiehandel und als einer der größten Konzerne der Welt betrachtet. Nur wenig später war es der größte Bankrott in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Viele Anleger verloren ihre Ersparnisse durch die Investition in Enron.

Oder denken Sie an die ehemalige Nobeladresse Lehman Brothers – entgegen dem bis dahin geltenden Grundsatz “too big to fail” ( „Zu groß, um zu scheitern“) – musste das Unternehmen am 15. September 2008 Insolvenz anmelden.

In Folge der Insolvenz hat Lehman Brothers dem Steuerzahler einen Schuldenberg von über 200 Milliarden US-Dollar hinterlassen.

Also was ist nun eine Option und was ist der Unterschied zu Aktien?

Ich habe Ihnen versprochen, dass ich “versuche” es so simpel und einfach wie nur möglich zu erklären.

Eine Option gibt dem Käufer das Recht, aber nicht die Verpflichtung, etwas zu tun.

Wenn der Käufer etwas machen will, so kann er es tun, wenn nicht, dann keine Sorge…. er muss es nicht tun.

Noch immer nicht ganz verständlich, oder?

Sitzt noch nicht ganz, stimmt’s?

Machen wir es einfacher.

Eine Option kaufen ist wie ein Strandspaziergang.

Da gibt es ein Stück Land am Strand, auf das ich schon lange ein Auge geworfen habe. Leere Grundstücke in unmittelbarer Strandnähe sind sehr, sehr rar. Und noch seltener werden solche Grundstücke am Immobilienmarkt gehandelt. Und wenn doch, sind diese so schnell weg wie warme Brötchen.

Eines Tages fahre fuhr ich in der Abenddämmerung zu einer Party und sah einen älteren Gentleman genau auf dem Grundstück sitzen, das ich schon immer haben wollte. Ich hielt an, stieg aus dem Auto und begann mit dem Mann ein Gespräch.

Es stellte sich heraus, dass er der Besitzer des Grundstücks war. Ich fragte Ihn, ob er schon jemals in Erwägung gezogen habe, das Grundstück zu verkaufen?

“Sicher”, sagte er.

Wie aus der Pistole geschossen meinte er gleich darauf …

“1 Million US-Dollar glatt kostet das Grundstück“.

Auch ohne Zeit zu verlieren, versuchte ich ein Geschäft mit Ihm auszuhandeln. Ich dachte, eine Million ist ein guter Preis für ein Grundstück direkt am Meer, aber ich brauche Zeit, um meine Hausaufgaben zu machen. Ich will ja nichts übersehen; und die Finanzierung muss ich ja auch erst klarmachen.

„Ich mache Ihnen einen Vorschlag“, sagte ich. „Ich gebe Ihnen $ 10.000 jetzt auf der Stelle. Diese können Sie behalten, wenn Sie mir ein Stück Papier geben, auf dem geschrieben steht, dass Sie mir das Recht oder mit anderen Worten die Option einräumen, in den nächsten 6 Monaten das Grundstück jederzeit für 1 Million US-Dollar kaufen zu können“.

“Abgemacht, das Geschäft steht” sagte er. Wir machten auf einem Blatt Papier den Vertrag, nahmen die Personalien mit auf und kontrollierten diese.

Er war glücklich über die $ 10.000, die er ohne Risiko einkassiert.

Es wurde nun ein rechtlich verbindlicher Vertrag zwischen dem Besitzer des Grundstücks und mir abgeschlossen.

Ich hatte mir mit $ 10.000 somit das Recht - also eine Option - gekauft, in den nächsten 6 Monaten das Grundstück für 1 Million US-Dollar kaufen zu können.

Der Grundstückbesitzer konnte dagegen in den nächsten 6 Monaten das Grundstück an niemanden verkaufen; er konnte es in diesem Zeitraum nur an mich für 1 Million US-Dollar verkaufen.

Danach gab es dann zwei mögliche Szenarien:

1. Den Verkäufer-Weg:

Wie Sie wissen, war ich auf dem Weg zu einer Party.

Frohgelaunt mit dem Vertrag in der Tasche, der mir mit bezahlten $ 10.000 das Recht sichert, in den nächsten 6 Monaten das Grundstück für 1 Million US-Dollar zu kaufen, führ ich nun zur Party.

In deren Verlauf ergab sich ein Gespräch mit einer Gruppe von Leuten, die gemeinsam ein Grundstück an dieser schönen Bucht erwerben wollten.

Bis zu 2 Millionen US-Dollar wollten diese für eine bestimmte Größe bezahlen.

Ob ich nicht wüsste, wo so ein Grundstück zu erwerben wäre?

War logisch, wo ich selber schon eine Ewigkeit als „Einheimischer“ nach einem solchen gesucht hatte.

Ich kalkulierte und kam zu dem Schluss, dass mein Grundstück dann ja “in deren Kaufpreis-Vorstellung” 1,3 Million US-Dollar wert wäre.

Mein lieber Mann.

Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Ich machte der Gruppe ein Angebot von 1,35 Millionen US-Dollar, bei 1,3 Millionen US-Dollar einigten wir uns. Wir sahen uns - mittlerweile ist es Nacht geworden - bei Vollmond noch das Grundstück an. Wunderbar, wie es sich vor dem funkelndem Meer im goldenen Lichte präsentierte.

Auch wenn der ältere Gentleman sich zu so später Stunde noch auf dem Grundstück aufgehalten hätte, könnte er in dieses Geschäft nicht mehr eingreifen.

Den er hat mir vertraglich “das Recht, aber nicht die Verpflichtung” zugesichert , in den nächsten 6 Monaten das Grundstück für 1 Million US-Dollar kaufen zu können

Der Deal ist somit im Sack.

Am nächsten Tag machte ich von meinem Recht Gebrauch und kaufe für 1 Million US-Dollar durch die Ausübung meiner Option das Grundstück und verkaufe es am selben Tag noch für 1,3 Millionen US-Dollar an die Gruppe weiter.

Das macht einen Gewinn von $ 300.000 MINUS die $ 10.000, die ich dem älteren Gentleman für die Option bezahlt habe. Bleiben satte $ 290.000 Gewinn übrig.

Und dieses RECHT habe also ich in diesem Falle AUSGEÜBT!

Nicht schlecht für einen Partybesuch, dachte ich. Das hätte auch der ältere Gentleman öfter tun sollen.

2. Den Besitzer-Weg:

Ich mache meine Hausaufgaben, und stelle fest, dass das Grundstück wirklich ein Schnäppchen ist. Auch finanziell gibt es keine Hindernisse.

Ich will dieses herrlich gelegene Grundstück unbedingt haben, entscheide mich aber, bis zum 5. Monat nach Vertragsabschluss zu warten, um die Geld-Transaktion zu tätigen. Man schenkt ja keine Zinsen her und man weiß ja nie, was dazwischenkommen kann.

Die Monate ziehen sich dahin, ich kann es kaum mehr erwarten, 1 Monat noch und ich werde das Geld überweisen und das Grundstück ist mein.

Monat 5. Es ist soweit, ich gebe der Bank den Auftrag, eine Blitzüberweisung zu tätigen.

Monat 6. Das Grundstück gehört, durch die Ausübung meiner Option, mir.

Erinnern Sie sich?

Ich habe mir mit $ 10.000 das Recht, aber nicht die Verpflichtung erkauft, in den nächsten 6 Monaten das Grundstück für 1 Million US-Dollar zu kaufen.

Und dieses RECHT habe ich schließlich AUSGEÜBT!

Das ist EXAKT, was auch eine Option darstellt.

Hätte ich das Grundstück innerhalb der 6 Monate nicht gekauft, so wäre die Option wertlos verfallen. Der ältere Gentleman hätte $ 10.000 verdient.

Da ich meine Option, dieses Grundstück innerhalb von 6 Monaten zu kaufen, ja dann nicht ausgeübt habe.

Bitte lesen Sie “Eine Option kaufen ist wie ein Strandspaziergang” nochmals durch, damit Sie das Options-Konzept sicher verinnerlichen und verstehen.

Im Trading Economics-Options-Leitfaden  > Was sind Calls und Puts?  lernen Sie nachfolgend nur zwei Optionen kennen, die wir beim Optionstrading einsetzen. Nämlich ...Call-Optionen und Put-Optionen.

 

Alexander Firstbrain
Investor und Autor
Trading Economics
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