Der Trading Economics-Options Leitfaden
"Die wunderbare Welt der Optionen"

Kapitel 13 > Was sind Synthetische Positionen?

 

Nachdem wir im Kapital 12 „Aus einer bestehenden Option aussteigen“ gesehen haben wie man aus einer offenen Position aussteigen kann lernen wir jetzt die Möglichkeit kennen, durch sogenannte synthetische Optionen, seinen Kapitaleinsatz zu senken.

Die Frage im Kapitel 13 „Was ist eine Synthetische Option?“ kann man eigentlich schnell beantworten. Synthetische Positionen (engl.: Synthetic-Positions) oder auch „künstliche Positionen“, sind eine Kombination aus Aktien und/oder Optionen, die die gleichen Merkmale haben wie reine Aktien- Positionen aufweisen.

Synthetische Optionen – Einführung

In den frühen Tagen des Optionshandels wo nur Call-Optionen gehandelt wurden, mussten Aktien-Trader und Investoren die im Trading auf fallende Kurse von Wertpapieren spekulieren wollten oder bei Shortpositionen eine Risikobegrenzung bei einem Kursanstieg haben wollten ziemliche „Verrenkungen“ machen, um dies zu erreichen.

Folgerichtig mussten Trader ein Instrument kreieren, dass Ihnen half diese Notwendigkeiten besser und vor allem einfacher zu in den Griff zu bekommen: nämlich Put-Optionen.

Vor dieser „Erfindung“ kauften Trader in jenen Tagen gleichzeitig “Long-Call-Optionen” und „shorteten“ (Leerverkauf) Aktien.

Die Kombination einer Long-Call-Option und einer Position leer verkauften Aktien erzeugt eine synthetische Put-Position, oder eben eine Position mit den Merkmalen einer Put-Option (obwohl kein Put involviert war).

Long-Call und Short-Aktien? – Wenn Ihnen die Begriffe “Long und Short” fremd sind, dann lesen Sie bitte nochmals Kapitel 11 “Was sind Long und Short Kontrakte?

Doch schauen wir uns nun die synthetische Put-Position etwas genauer an:

Wenn die zugrunde liegende Aktie fällt, ist die Long-Call-Option am Ausübungsdatum „out of the Money“, damit ohne Wert (ohne inneren Wert) und verfällt wertlos.

Dagegen steigt der Depotwert der Short-Aktien Position.

Das entspricht einer Put-Option, bei der der Zeitwert am Ausübungsdatum null ist, aber falls der aktuelle Kurs an diesem Tag unterhalb des Basispreises des Puts liegt, der Put einen inneren Wert besitzt, den man auf verschiedene Weise realisieren kann wie im Kapitel 12 „Aus einem bestehenden Optionskontrakt aussteigen“ beschrieben.

Beispiele:
Die Google (GOOG) Aktie steht bei $ 650 und beide Ausübungspreise einer Call und Put-Option stehen bei $ 20/Option ($ 20 x 100 = $ 2.000/Optionskontrakt).

Long-Put-Option: Rebecca kauft “1-GOOG-Put-Option für $ 20/Option.

Synthetische-Put-Option: Michael kauft “1-GOOG-Call-Option für $ 20/Option und verkauft 100-Google Aktie bei $ 650.

Erste Annahme:
Die Google Aktie fällt von $ 650 um $ 50 und steht an Ausübungsdatum bei $ 600.

Ergebnis-Long-Put:
Rebecca macht einen Gewinn von $ 3,000.
Im Detail...
$ 5,000 Gewinn ($ 50/Put-Option x 100)  minus
$ 2,000 Optionsprämie ($ 20/Put-Option x 100).

Ergebnis-Synthetische Put:
Auch Michael macht einen Gewinn von $ 3,000.
Im Detail...
$ 5,000 Gewinn ($ 50/Short-Aktien x 100/Aktien) minus
$ 2,000 Optionsprämie ($ 20/Call-Option x 100).

Zweite Annahme:
Die Google Aktie steigt von $ 650 um $ 50 und steht am Ausübungsdatum bei $ 700.

Ergebnis-Long-Put:
Rebecca macht einen Verlust von $ 2,000 denn die Google-Long-Put-Option ist “wertlos” verfallen.

Ergebnis-Synthetische Put:
Auch Michael macht einen Verlust von $ 2,000.
Im Detail...
$ 5,000 Gewinn ($ 50/Call-Option x 100) minus
$ 5,000 Verlust ($ 50/Short-Aktien x 100/Aktien) minus
$ 2,000 Optionsprämie (20/Call-Option x 100)

In den obigen Beispielen kreiert Michael mit einer Google-Long-Call-Option und einer Google-Short-Aktie eine synthetische-Put-Position, wobei der Gewinn/Verlust exakt der gleiche ist, wie der von Rebecca’s Long-Put-Option.

In der Tat entstehen synthetische-Positionen beim Trading sehr häufig.

Es gibt im Aktien- und Optionstrading viele Trader die - ohne es zu wissen - im Trading durch ihre Aktien und Optionskäufe ständig synthetische Positionen erzeugen.

Durch ein umfassendes Verständnis für synthetischen Positionen ist es beim Aktien- und Optionstrading möglich, ungünstige Positionen in der Erwartungshaltung angepasste „umzuwandeln“, ohne bereits bestehende zu verändern (Stichwort: Gebühren- und Spesenersparnis).

Ein vertieftes Verständnis von Synthetischen Positionen ist deshalb ein Muss für jeden Investor, der sein Investment ernst nimmt.

Das Synthetische Dreieck

Ein Synthetisches Dreieck ist eine einfache Gedächtnisstütze um die Synthetische Beziehung von Aktien und Optionen zu visualisieren.

https://tradingeconomics.net/wp-content/uploads/2012/08/Synthetisches-Dreieck.png

Was das Syntetisches Dreieck darstellen soll ist folgendes:
Durch die Kombination von zwei Elementen im Synthetischen Dreieck, haben wir eine Synthetische Position des dritten Elements geschaffen.

Grundlagen
Dem Synthetischen Dreieck entsprechend gibt es 6 grundlegende synthetische Positionen im Zusammenspiel aus einer Put- und Call-Option und der zugehörigen Aktie.

  1. Synthetische Long Aktie    =   Long Call + Short Put
  2. Synthetische Short Aktie   =   Short-Call + Long Put
  3. Synthetische Long Call      =   Long Aktie + Long Put
  4. Synthetische Short Call     =   Short Aktie + Short Put
  5. Synthetische Short Put      =   Short Call + Long Aktie
  6. Synthetische Long Put       =   Long Call + Short Aktie

Damit die Synthetische Dreieck Beziehung funktioniert, müssen aller synthetischen Kombinationen dasselbe Ausübungsdatum, Ausübungspreis und die korrespondierende Stückzahl der Aktien aufweisen, also 1 Put, 1 Call, 100 Aktien oder ein Mehrfaches davon.

Hinweis: Alle Call und Put Optionen müssen “at the money” oder “am Geld” sein.

1. Synthetische Option-Synthetische Long Aktie

Frage: Kann man nur mit Optionen eine Long-Position in einer Aktie kreieren?
Antwort: Ja! Sie können eine synthetische Long Stock Position einfach darstellen durch:

Kauf eines Calls + Verkauf eines Puts

Synthetische Long Aktie = Long Call + Short Put

https://tradingeconomics.net/wp-content/uploads/2012/08/a.Synthetische-Long-Aktie.png

Long Aktien:
Wenn Sie Aktien kaufen haben Sie unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten nach oben aber auch ein (bis $ 0,00) „unbegrenztes“ Verlustrisiko nach unten. Während Sie nichts verlieren wenn der Aktienpreis stagniert.

Long Call:
Wenn Sie Call-Optionen kaufen, haben Sie unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten nach oben und begrenztes (Optionsprämie) Verlustrisiko nach unten.

Short Put:
Wenn Sie eine Put-Option verkaufen (shorten) haben Sie eine limitierte Gewinnmöglichkeit (Optionsprämie) wenn der Aktienpreis steigt und ein „unbegrenztes“ Verlustrisiko (bis $ 0,00) wenn der Aktienpreis fällt.

Beispiel:

Die Google (GOOG) Aktie steht bei $ 650 und eine Call- und Put-Option Basis 650 kostet $ 20/Option, also ($ 20 x 100 = $ 2.000/Optionskontrakt).

Long-Aktien: Rebecca kauft 100-Google Aktie bei $ 650.

Synthetische Long Aktien: Michael kauft “1-GOOG-Call-Option” und verkauft “1-GOOG-Put-Option”.

Die Google Aktie steigt von $ 650 um $ 50 und steht am Ausübungsdatum bei $ 700.

Ergebnis Long-Aktien:
Rebecca macht einen Gewinn von $ 5,000 (Verkauf $ 70.000 minus Einkauf $ 65,000).

Ergebnis-Synthetische Long Aktien:
Auch Michael macht einen Gewinn von $ 5000.
Im Detail…
$ 5,000 Gewinn ($ 50/ Long-Call-Option x 100/Aktien) minus
$ 2,000 bezahlter Optionsprämie ($ 20/Long-Call-Option x 100) plus
$ 2,000 vereinnahmte Optionsprämie ($ 20/Short-Put-Option x 100)

Fazit:

Eine synthetische Long-Aktien-Position entspricht der einer reinen Long-Aktien Position.

Die Prämien-Gutschrift, die Sie durch den Verkauf der Put-Option bekommen haben, deckt die Prämie der Long-Call (in unserem Idealfall, bei dem die Prämie des Call gleich der Prämie des Puts ist) komplett ab (d.h. Sie verlieren nichts wenn der Aktienpreis stagniert).

Durch die Long-Call-Option bekommen Sie unbegrenzte Gewinnmöglichkeit nach oben und durch die Short-Put-Option das nahezu unbegrenzte (bis $ 0,00) Verlustrisiko nach unten.

2. Synthetische Short Aktien

Frage: Kann man Aktien verkaufen, also shorten (weil Sie fallende Kurse erwarten), ohne Aktien physisch zu verkaufen?

Antwort: Ja, Sie können eine Synthetische Short-Aktien-Position erstellen:

Synthetische Short Aktien = Short-Call + Long Put

https://tradingeconomics.net/wp-content/uploads/2012/08/b.Synthetische-Short-Aktie.png

Short Aktien:
Wenn Sie Aktien verkaufen haben Sie unbegrenzte (bis $ 0,00) Gewinnmöglichkeiten nach unten, aber auch ein unbegrenztes Verlustrisiko nach oben. Während Sie nichts verlieren wenn der Aktienpreis auf der Stelle tritt.

Short-Call:
Wenn Sie eine Call-Option verkaufen haben Sie eine limitierte Gewinnmöglichkeit (erhaltene Optionsprämie) bei einem fallenden Aktienpreis und ein unbegrenztes Verlustrisiko bei einem steigenden Aktienpreis.

Long Put:
Wenn Sie Put-Optionen kaufen, haben Sie unbegrenzte (bis $ 0,00) Gewinnmöglichkeiten nach unten und begrenztes Verlustpotential (gezahlte Optionsprämie) nach oben.

Beispiel:

Die Google (GOOG) Aktie steht bei $ 650 und eine Call- und Put-Option Basis 650 kostet $ 20/Option, also ($ 20 x 100 = $ 2.000/Optionskontrakt).

Short-Aktien: Rebecca verkauft 100-Google Aktie bei $ 650.

Synthetische Short Aktien: Michael kauft “1-GOOG-Put-Option” und verkauft “1-GOOG-Call-Option”.

Der Google Aktienpreis fällt von $ 650 um $ 50 und steht an Ausübungsdatum bei $ 600.

Ergebnis-Short-Aktien:
Rebecca macht einen Gewinn von $ 5,000 (Verkauf $ 65.000 minus Rück-Kauf $ 60,000).

Ergebnis-Synthetische Short Aktien:
Auch Michael macht einen Gewinn von $ 5000.
Im Detail…
$ 5,000 Gewinn ($ 50/ Long-Put-Option x 100/Aktien) minus
$ 2,000 gezahlte Optionsprämie ($ 20/ Long-Put-Option x 100) plus
$ 2,000 erhaltene Optionsprämie ($ 20/Short-Call-Option x 100)

Fazit:

Die Prämie, die Sie von der Short-Call bekommen haben, deckt die Prämie der Long-Put (in unserem Idealfall, bei dem die Prämie des Call gleich der Prämie des Puts ist) komplett ab (d.h. Sie verlieren nichts wenn der Aktienpreis stagniert).

Durch die Long-Put-Option bekommen Sie die unbegrenzte (bis $ 0,00) Gewinnmöglichkeit nach unten und durch die Short-Call-Option das unbegrenzte Verlustrisiko nach oben.

3. Synthetischer Long Call

Frage: Wenn Sie Aktien und Long-Put-Optionen derselben Aktie besitzen; wie könne Sie diese in eine synthetische Call-Option umwandeln, ohne Ihre gegenwärtigen Positionen verkaufen zu müssen?

Antwort: Indem Sie einen synthetischen Long-Call konstruieren

Synthetische Long-Call = Long Aktie + Long Put

https://tradingeconomics.net/wp-content/uploads/2012/08/c.Synthetische-Long-Call.png

Long Call:
Wenn Sie Call-Optionen kaufen, haben Sie unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten nach oben und begrenztes (Optionsprämie) Verlustrisiko nach unten.

Long Aktien:
Wenn Sie Aktien kaufen haben Sie unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten nach oben aber auch ein unbegrenztes (bis $ 0,00) Verlustrisiko nach unten. Während Sie nichts verlieren wenn der Aktienpreis stagniert.

Long Put:
Wenn Sie Put-Optionen kaufen, haben Sie unbegrenzte (bis $ 0,00) Gewinnmöglichkeiten nach unten und begrenztes (Optionsprämie) Verlustpotential nach oben.

Beispiel:

Die Google (GOOG) Aktie steht bei $ 650 und eine Call- und Put-Option Basis 650 kostet $ 20/Option, also ($ 20 x 100 = $ 2.000/Optionskontrakt).

Long Call: Rebecca kauft “1-GOOG-Long-Call-Option”

Synthetische Short Aktien: Michael kauft 100-Google Aktien bei $ 650 und eine “1-GOOG-Long-Put-Option”

Die Google Aktie steigt von $ 650 um $ 50 und steht am Ausübungsdatum bei $ 700.

Ergebnis Long-Call:
Rebecca macht einen Gewinn von $ 3,000 ($ 50/Long-Call-Option x 100 = $ 5,000 minus $ 20/Put- Optionsprämie x 100 = $ 2,000).

Ergebnis-Synthetische Long-Call:
Gewinn für Michael $ 3,000.
Im Detail…
$ 5,000 Gewinn ($ 50/ Long-Aktien x 100/Aktien) minus
$ 2,000 Optionsprämie ($ 20/ Long-Put-Option x 100)

Fazit:

Das unbegrenzte Profitpotential der Long-Aktien nach oben wird durch die Long-Put-Optionsprämie um $ 2,000 reduziert.

Dafür wird durch die Long-Put-Option das unbegrenztes Verlustrisiko der Long-Aktien bei einem fallenden Aktienpreis, in ein begrenztes Risiko von $ 2.000 umgewandelt.

Arbeiten Sie bitte den obigen Abschnitt (Fazit), als eines der wichtigsten Kapitel unseres Trading Economics Optionsleitfadens mit dem Titel "Die wunderbare Welt der Optionen" noch einmal durch!

Zur Verdeutlichung:

Falls Sie einen synthetischen Long Call im Depot brauchen und Sie besitzen bereits 100 Aktien so kaufen Sie eine Long-Put-Option, haben Sie dagegen eine Long-Put-Option in Ihrem Depot, so kaufen Sie 100 Long-Aktien und schon haben Sie in beiden Fällen eine synthetische Long-Call-Position geschaffen.

4. Synthetischer Short Call

Frage: Wenn Sie Short-Aktien oder eine Short-Put-Option halten, wie können Sie diese in eine Short-Call-Position umwandeln, ohne Ihre gegenwärtigen Positionen verkaufen zu müssen?

Antwort: Indem Sie einen synthetischen Short Call konstruieren.

Synthetische Short-Call = Short Aktien + Short Put

https://tradingeconomics.net/wp-content/uploads/2012/08/d.Synthetische-Short-Call.png

Short Call:
Wenn Sie eine Call-Option verkaufen, haben Sie eine limitierte Gewinnmöglichkeit (Zeitwertprämie) bei einem fallenden Aktienpreis und ein unbegrenztes Verlustrisiko bei einem steigenden Aktienpreis.

Short Aktien:
Wenn Sie Aktien verkaufen haben Sie unbegrenzte (bis $ 0,00) Gewinnmöglichkeiten nach unten, aber auch ein unbegrenztes Verlustrisiko nach oben. Während Sie nichts verlieren, wenn der Aktienpreis auf der Stelle tritt.

Short Put:
Wenn Sie eine Put-Option verkaufen haben Sie eine limitierte Gewinnmöglichkeit (Zeitwertprämie), wenn der Aktienpreis steigt und ein unbegrenztes Verlustrisiko (bis $ 0,00), wenn der Aktienpreis fällt.

Beispiel:

Die Google (GOOG) Aktie steht bei $ 650 und eine Call- und Put-Option Basis 650 kostet $ 20/Option, also ($ 20 x 100 = $ 2.000/Optionskontrakt).

Short-Aktien: Rebecca verkauft “1-GOOG-Call-Option”

Synthetische Short Aktien: Michael verkauft 100-Google Aktien bei $ 650. Gleichzeitig verkauft er eine “1-GOOG-Put-Option” für die er $ 2,000 auf seinem Brokerkonto gutgeschrieben bekommt.

Die Google Aktie fällt von $ 650 um $ 50 und steht am Ausübungsdatum bei $ 600.

Ergebnis-Short-Call:
Rebecca macht einen Gewinn von $ 2,000 ($ 20/Short Put-Optionsprämie x 100 = $ 2.000)

Ergebnis-Synthetische Short-Call:
Auch Michael’s Gewinn ist $ 2,000
Im Detail…
$ 5,000 Gewinn ($ 50/Short-Aktien x 100/Aktien) minus
$ 5,000 Verlust ($ 50/Short-Put-Option x 100) plus
$ 2,000 Options–Zeitwertprämien-Gutschrift (20/ Short-Put-Option x 100)

Fazit:

Das unbegrenzte (bis $ 0,00) Profitpotential der Short-Aktien nach unten wird durch die Short-Put Position geschmälert.
Dafür wird durch die Short-Put Option das Verlustrisiko der Short-Aktien bei einem steigenden Aktienpreis reduziert.

5. Synthetischer Short Put

Frage: Was können Sie tun, wenn Sie eine Short-Call-Position in Ihrem Depot halten aber trotzdem von einem ansteigenden Aktienpreis profitieren wollen ohne Ihre gegenwärtigen Short-Call-Position zu verkaufen zu müssen?

Antwort: Sie kreieren eine synthetische Short Put Position

Synthetische Short Put = Short-Call + Long Stock

https://tradingeconomics.net/wp-content/uploads/2012/08/e.Synthetische-Short-Put.png

Short-Put:
Mit einer Short Put Position haben Sie eine limitierte Gewinnmöglichkeit (vereinnahmte Optionsprämie) nach oben und sind einem unbegrenzte Verlustpotential nach unten (bis $ 0,00) ausgesetzt.

Short Call:
Wenn Sie eine Call-Option verkaufen, haben Sie eine eingeschränkte Gewinnmöglichkeit (vereinnahmte Optionsprämie) bei einem fallenden Aktienpreis und ein unbegrenztes Verlustrisiko bei einem steigenden Aktienpreis.

Long Aktien:
Wenn Sie Aktien kaufen haben Sie unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten nach oben aber auch ein unbegrenztes (bis $ 0,00) Verlustrisiko nach unten; während Sie nichts verlieren falls der Aktienpreis stagniert.

Beispiel:

Die Google (GOOG) Aktie steht bei $ 650 und eine Call- und Put-Option Basis 650 kostet $ 20/Option, also ($ 20 x 100 = $ 2.000/Optionskontrakt).

Short-Put: Rebecca verkauft “1-GOOG-Put-Option” der Betrag von $ 20/Option und $ 2,000 werden auf ihrem Brokerkonto gutgeschrieben.

Synthetische Long Aktien: Michael kauft 100-Google Aktie bei $ 650. Und verkauft eine “1-GOOG-Call-Option” für $ 20/Option und $ 2,000 werden auf seinem Brokerkonto gutgeschrieben.

Die Google Aktie steigt von $ 650 um $ 50 und steht am Ausübungsdatum bei $ 700.

Ergebnis-Short-Put:
Rebecca macht einen Gewinn von $ 2,000 ($ 20/Put-Optionsprämie x 100 = $ 2,000)

Ergebnis-Synthetische Short-Put:
Denselben Gewinn in Höhe von $ 2,000 macht Michael:
$ 5,000 Gewinn ($ 50/Long-Aktien x 100/Aktien) minus
$ 5,000 Verlust ($ 50/Short-Call-Option x 100) plus
$ 2,000 vereinnahmte Optionsprämie (20/ Short-Call-Option x 100)

Fazit:

Das unbegrenzte (bis $ 0,00) Profitpotential der Long-Aktien nach oben wird durch die Short-Call Position reduziert.
Dafür wird durch die Short-Call Option das Verlustrisiko der Long-Aktien bei einem fallenden Aktienpreis, ein wenig gemildert.

6. Synthetischer Long Put

Frage: Wenn Sie bereits Long Calls besitzen aber von einem steigenden Aktienpreis profitieren wollen; was können Sie tun, ohne den Long Call zu verkaufen?

Antwort: Sie shorten die entsprechende Aktie

Synthetische Long Put = Long Call + Short Aktie

https://tradingeconomics.net/wp-content/uploads/2012/08/f.Synthetische-Long-Put.png

Long Put:
Wenn Sie Put-Positionen kaufen haben Sie unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten (bis $ 0,00) nach unten und ein begrenztes Verlustrisiko (gezahlte Optionsprämie) nach oben.

Long Call:
Wenn Sie eine Long-Call-Positionen halten haben Sie unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten nach oben bis ($ 0,00) sowie ein begrenztes Verlustrisiko (gezahlte Optionsprämie) nach unten.

Short-Aktien:
Haben Sie Aktien verkauft, so haben Sie unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten nach unten (bis $ 0,00) aber auch ein unbegrenztes Verlustrisiko nach oben. Während Sie nichts verlieren oder gewinnen wenn der Aktienpreis stagniert.

Beispiel:

Die Google (GOOG) Aktie steht bei $ 650 und eine Call- und Put-Option Basis 650 kostet jeweils $ 20/Option, also ($ 20 x 100 = $ 2.000/Optionskontrakt).

Long-Put: Rebecca kauft “1-GOOG-Put-Option”.

Synthetische Long-Put: Michael verkauft 100-Google Aktie bei $ 650. Und kauft eine “1-GOOG-Call-Option” für $ 20/Option oder $ 2,000.

Die Google Aktie fällt von $ 650 um $ 50 und steht am Ausübungsdatum bei $ 600.

Ergebnis-Long-Call:
Rebecca macht…
$ 5,000 Gewinn ($ 50/Long-Put-Option x 100 = $ 5,000) minus
$ 2,000 gezahlte Optionsprämie (20/ Long-Call-Option x 100)
Erlös $ 3,000.

Ergebnis-Synthetische Long-Put:
Michael macht auch einen Gewinn in Höhe von $ 3,000
$ 5,000 Gewinn ($ 50/Short-Aktien x 100/Aktien) minus
$ 2,000 gezahlte Optionsprämie ($ 20/Long-Call-Option x 100)

Fazit:

Das unbegrenzte (bis $ 0,00) Profitpotential der Short-Aktien nach unten wird durch die Long-Call-Optionsprämie geschmälert.
Dafür wird durch die Long-Call Option das unbegrenztes Verlustrisiko der Short-Aktien bei einem steigenden Aktienpreis, in ein begrenztes Risiko von $ 2.000 umgewandelt.

Warum verwendet man synthetische Positionen?

Warum sollte jemand überhaupt synthetische Positionen verwenden, wenn in der heutigen Zeit im Optionstrading für jeden Trader alle Options-Instrumente zur Verfügung stehen?

Synthetische Positionen sind sehr nützlich für Options-Trader die wünschen, einen Reverse-Trade (Trading in die entgegengesetzte Richtung) machen zu können, ohne ihre bestehenden Positionen glattstellen bzw. auflösen zu müssen.

Darüber hinaus sind synthetische Positionen auch erste Wahl, wenn es darum geht bei veränderten Marktbedingungen zu geringeren Transaktionskosten schnell reagieren zu können (Options-Handelsgebühren sind oftmals höher als die für gleichwertige Aktienpositionen).

Synthetisches-Positionen-Trading wenn der Aktienmarkt schnell seine Richtung ändert:

Zum Beispiel sind Sie vor wenigen Wochen eine Short-Call-Position eingegangen, weil Sie einen moderaten Rückgang der zugrunde liegenden Aktie erwartet haben.

https://tradingeconomics.net/wp-content/uploads/2012/08/6.-Short-Call.png

Allerdings überzeugen Sie die jüngsten Entwicklungen, dass die zugrunde liegende Aktie eher einen geringfügigen Anstieg anstatt einem moderaten Rückgang machen könnte.

Statt Ihre Short-Call-Position aufzulösen, können Sie nun einfach Ihre bestehende Position in eine Synthetische-Short-Put-Position umwandeln.

Sie kaufen einfach zu Ihrer bestehenden Short-Call-Position 100 Long-Aktien.

Option

Dadurch haben Sie eine Synthetische-Short-Put-Position geschaffen und machen einen Gewinn wenn der Aktienpreis leicht bis moderat ansteigt.

Trading mit mehr Flexibilität

Nach einem geringfügigen Anstieg des Aktienpreises werden sehr gute Unternehmensdaten gemeldet.

Auf der Grundlage dieser Daten nehmen Sie jetzt an, dass dies der Anfang einer Monster-Rally sein könnte.

Wenn Sie dieser Meinung sind, dann schließen Sie einfach Ihre Short-Call-Position und verwandeln damit Ihre Synthetische-Short-Put-Position in normale Long-Aktien um.

https://tradingeconomics.net/wp-content/uploads/2012/08/1.-Long-Aktie.png

Synthetisches-Positionen-Trading zur Reduzierung der Tradingskosten.

Position rein > Position raus > Position rein > Position raus das ist der reinste Gebühren- und Spesen-Gau!

Haben Sie, wie im obigen Beispiel beschrieben, “die herkömmliche Methode” für den Kauf und Verkauf von Positionen angewendet, so haben Sie alles in allem fünf Transaktionen getätigt:

Verkauf-Call Option > Rückkauf-Call Option > Verkauf-Put Option > Rückkauf-Put Option und Kauf-Long-Aktien.

Wenn Sie stattdessen Synthetische-Positionen gehandelt haben, stehen nur drei Transaktionen zu Papier:

Verkauf-Call Option > Kauf-Long-Aktien > Rückkauf-Call Option.

Weniger Transaktionen – weniger Transaktions- bzw. Tradingskosten; das macht die synthetischen Positionen in volatilen Trading-Zeiten zur kostengünstigeren Trading Alternative.

Eine umfassende Kenntnis von synthetischen Positionen ermöglicht es einem Option Trader eine zielgenaue Absicherung von bestehenden Positionen und ist flexibler bei der Nutzung von kurzfristigen Aktienpreis-Schwankungen.

Deshalb sind alle Market Maker…

(Ein Market Maker ist ein professioneller Börsenhändler, der die Liquidität in den ihm von der Börse zugeteilten Titeln sicherstellen muss und der sein Geld mit der Spanne zwischen Geld- und Briefkurs verdient)

…komplett mit der Mechanik von synthetischen Positionen vertraut.

Zum Thema  “Was ist eine Synthetische Option?” auch etwas in englischer Sprache: What is a Synthetic Option?

 

Alexander Firstbrain
Investor und Autor
Trading Economics
tradingeconomics.net