Der Trading Economics-Options Leitfaden
"Die wunderbare Welt der Optionen"

Kapitel 8 > Was ist eine Put Option?

 

Put-Optionen sind für Trading Economics von unbezahlbaren Wert. Ja, geradezu unerlässlich, unentbehrlich, unverzichtbar. Ja, zwingend, man kann schon sagen, lebenswichtig im Trading mit Aktien.

Trading Economics würde sofort alle seine Aktien verkaufen, wenn wir zu deren Absicherung keine Put-Optionen mehr handeln dürften.

Ich kann Ihnen versichern wenn Sie unseren Trading Economics-Options-Leitfaden einmal durchgearbeitet und verstanden haben werden Sie auch mit voller Überzeugung sagen "Put-Optionen sind lebenswichtig im Trading mit Aktien."

Wir haben im  kapitel 7  "Was ist eine Call-Option?"  ein Verständnis für den innewohnenden Mechanismus, deren Risiken, aber auch potentiellen Vorteile von Call-Optionen bekommen.

Im   Kapitel 8 "Was ist eine Put-Option?" werden wir uns mit dem Mechanismus einer Put-Option auseinandersetzen,- und sehen uns deshalb gemeinsam unsere erste Put-Option an.

Während man sich wie selbstverständlich gegen alle möglichen Risiken des täglichen Lebens (Unfall-, Lebens- und andere Versicherungen) freiwillig oder wie bei der Kfz-Haftpflicht gesetzlich gezwungen versichert, denken die meisten Privatanleger oder Investoren aber auch ein hoher Prozentsatz der so genannten Profis bei einer so wichtigen Frage „wie lege ich am Aktienmarkt mein Vermögen performanceorientiert und trotzdem sicher an“ nicht daran, sich gegen mögliche Verluste abzusichern; und zwar deshalb, weil sie nie etwas von derlei Maßnahmen, mittels Put Optionen seine Wertpapiere gegen Kursverfall abzusichern, gehört haben bzw. diese nicht verstehen.

Das ist für uns bei Trading Economics „Harakiri Investing“ und das überlassen wir gern den Naiven, Laien und Unwissenden.

Ohne Versicherung bzw. Put-Optionen den Aktienmarkt zu betreten ist dasselbe, als wenn Sie Ihr lichterloh brennendes Haus mit einem Eimer voll Wasser löschen wollen und zusätzlich auf Regen hoffen.

Nur zur Auffrischung:

Um einer Verwirrung der Schreibweise "Optionen, Option und Optionskontrakt" vorzubeugen, möchten wir an dieser Stelle folgendes festhalten:

1 Optionskontakt besteht immer aus 100 Optionen, das heisst eine Option ist der hundertste teil eines Optionskontraktes.

Auch die preisliche Gestaltung in einer Options Chain (Optionskette) wird durch den hundertste teil eines Optionskontraktes (mit einer Option) aufgelistet.

Beispiel 1:
Eine Option kostet $ 1,93
Ein Optionskontrakt kostet dann $ 193,- (1,93/Option x 100/Optionen = $ 193,-).

Beispiel 2:
Eine Option kostet $ 1,93
Sie wollen 3 Optionskontrakte kaufen…
Diese kosten Sie dann $ 579,- (1,93/Option x 300/Optionen = $ 579,-).

Sie können nicht eine Option kaufen, sondern immer nur die von den Börsen festgelegte Einheit von mindestens EINEM Optionskontrakt; dieser beinhaltet immer 100 Call oder Put Optionen.

Wenn Sie 3 Optionskontrakte kaufen wollen so beinhalten diese 300 Call oder Put Optionen.

Wenn Sie 10 Optionskontrakte kaufen wollen so beinhalten diese 1.000 Call oder Put Optionen.

Nun, was aber ist eine Put-Option?

Ein Käufer wird z.B. eine Google-Put-Option kaufen, wenn er der Meinung ist, der Aktienpreis von Google werde FALLEN.

  • Eine Put-Option ist eine Option,
  • bei welcher der Käufer das Recht,
  • aber nicht die Pflicht hat.
  •  innerhalb eines im Voraus bestimmten Zeitraums,
  • einen im Voraus bestimmten Basiswert (in unserem Fall “Aktien”)
  • zu einem im Voraus festgelegten Preis (Strike),
  •  in einer im Voraus festgelegten Menge (jeweils 100 je Optionskontrakt),
  • Aktien dem Verkäufer der Put-Option zu VERKAUFEN.

Der Verkäufer der Put-Option ist zur ABNAHME der Aktie während der Laufzeit zum Basispreis (Strike) verpflichtet; für diese Verpflichtung erhält er die Optionsprämie vom Käufer der Option.

Der Unterschied einer Call Option und einer Put Option liegt darin, dass der Käufer das Recht hat, Aktien zu einem im Voraus bestimmten Preis dem Verkäufer zu VERKAUFEN.

Dies mag für Sie jetzt komisch klingen.

Wie kann ich eine Aktie verkaufen die ich gar nicht besitze?

Zum besseren Verständnis sehen wir uns eine Google Put-Option an:

1 – GOOG – Dez12 – 600 – Put – $ 20.

  1. 1 = Anzahl der Kontrakte, in diesem Fall ein Optionskontrakt (100 Aktien).
  2. GOOG => Google Inc. (Tickersymbol: GOOG).
  3. Dez12 => Dezember 2012 (Ausübungsdatum oder Verfallsdatum). Das Recht auf Ausübung der Option erlischt zum Stichtag am dritten Freitag (Schlusskurs) im Dezember 2012.
  4. 600 => $ 600 (Basispreis oder Ausübungspreis).
  5. Put => Put-Option, der Käufer erwartet fallende Kurse.
  6. $20 => Optionsprämie (1 Optionskontrakt: Option x 100 Aktien x $ 20 = $ 2.000 Optionsprämie.)

Das heißt:

Der Käufer dieser Put Option handelt einen Optionskontakt oder 100 Optionen.

Der zugrunde liegende Basiswert dieser Put Option ist die Google Aktie (GOOG).

Das Recht auf Ausübung der Put Option erlischt zum Stichtag also am dritten Freitag (Schlusskurs), im Dezember 2012.

Der Käufer dieser Put Option hat das Recht 100 Aktien von Google zu einem Preis von $ 600/Aktie dem Verkäufer des Puts zu verkaufen.

Der Käufer hat eine Put-Option gekauft und erwartet somit fallende Kurse der Google Aktie.

Die Kosten für den Erwerb dieser Put-Option ist die Optionsprämie von $ 2.000 (1 Option x 100 Aktien x $ 20).

Der mit diesem Put kontrollierte Gesamtwert beträgt $ 60.000 (1 Option x 100 Aktien x $ 600/Google Aktie).

Auch hier, mit nur $ 2.000 Optionsprämie bewege ich durch den Hebeleffekt einen $ 60.000 Google-Options-Kontraktwert.

Ein weiteres Beispiel:

3 – GOOG – Dez12 – 600 – Put – $ 20.

Der Käufer und sein Gegenüber der Verkäufer dieser Put Option handeln 3 Optionskontakte oder 300 Optionen.

Der zugrunde liegende Basiswert dieser Put Option ist die Google Aktie (GOOG).

Das Recht auf Ausübung der Put Option erlischt zum Stichtag also am dritten Freitag (Schlusskurs), im Dezember 2012.

Der Käufer dieser Put Option hat das Recht, dem Verkäufer des Puts 300 Google Aktien zu einem Preis von $ 600/Aktie zu verkaufen.

Der Käufer hat eine Put-Option gekauft und erwartet fallende Kurse der Google Aktie.

Die Kosten für den Erwerb dieser Put-Optionen ist die Optionsprämie von $ 6.000 (3 Option x 100 Aktien x $ 20).

Der gesamte Kontraktwert dieser Put-Optionen beträgt $ 180.000 (3 Optionen x 100 Aktien x $ 600/Google Aktie).

Nochmals: mit nur $ 6.000 Optionsprämie bewegt der Käufer durch die Hebelwirkung einen Kontraktwert von $ 180.000.

Wie schon bei der Erklärung der Wirkungsweise eines Calls werden wir in den folgenden Beispielen die „Lieferung“ bzw. „Andienung“ wie man bei Puts sagt erklären.

Also die „Ware (Aktien)“ wird vom Verkäufer zum Käufer (Call) oder vom Käufer zum Verkäufer (Put) geliefert. Diese Art der “Optionsausübung” findet aber in der Praxis sehr selten Anwendung, man stellt vorher wenn möglich die Position glatt – außer man möchte explizit seine Aktien verkaufen (Verkäufer eines Calls) oder Aktien zum Basispreis kaufen (Verkäufer eines Puts).

Beispiel „Lieferung“:

3 – GOOG – Dez12 – 600 – Put – $ 20.

Wenn Google bis zum Verfalltag (dritter Freitag im Dezember 2012) unter $ 600/Aktie handelt…

…. sagen wir, der Preis der Google Aktie steht bei $550/Aktie,

dann kann der Käufer seine Option ausüben.

In diesem Falle übt der Käufer sein Recht aus und kauft,

da ja die Google Aktie jetzt bei $ 550 steht,

am freien Markt (Börse) 300 Google Aktien für $ 550/Aktie,

und verkauft diese sofort dem Verkäufer,

zu dem vorher festgelegten Basispreis von $ 600/Google Aktien.

Die Preisdifferenz dieser Transaktion beträgt $ 50/Google Aktie.

Da der Käufer ja 300 Google Aktien oder 3 – GOOG – Dez12 – 600 – Put – Optionen gehandelt hat, macht dieser einen Gewinn von $ 9.000 (3 Optionen x 100 Aktien x $ 50 Preisdifferenz/Aktie= $ 15.000 minus $ 6.000 Optionsprämie, die er dem Verkäufer beim Optionskauf bezahlt hat).

Der Verkäufer verliert somit $ 9.000, denn er hat nun 100 Google -Aktien in seinem Depot, die er für $ 600 je Aktie kaufen musste, die aber aktuell nur bei $ 550 notiert. Allerdings hat er ja am Anfang $ 6.000 vom Käufer des Puts erhalten.

Diesen Vorgang nennt man „Andienen“ oder „Andienung“ der Aktien.

Jetzt wissen Sie, wie Sie Aktien verkaufen können, obwohl Sie diese gar nicht in Ihrem Portfolio besitzen, oder?

Umgekehrt …

3 – GOOG – Dez12 – 600 – Put – $ 20.

Die Google Aktie notiert über $ 600/Google Aktien (Basispreis) …

… sagen wir, die Google Aktie notiert bei $ 650/Aktie

Der Käufer wird sein Recht dann natürlich nicht ausüben und die 3 – GOOG – Dez12 – 600 – Put – Optionen auslaufen (= verfallen) lassen.

Warum auch sollte der Käufer dem Verkäufer 300 Google Aktien für $ 600/Aktie verkaufen, wenn er aktuell an der Börse für diese $ 650/Aktien bezahlen müsste?

Somit hat der Käufer der Put Option einen Verlust von $ 6.000.

Umgekehrt macht der Verkäufer der Put Option einen Gewinn von $ 6.000.

Wie sieht dies, bei einem Barausgleich aus?

Hinweis: Wir bleiben der Einfachheit halber bei Google, obwohl es bei Google keinen Barausgleich gibt, aber die Funktionsweise wird trotzdem klar.

3 – GOOG – Dez12 – 600 – Put – $ 20.

Wenn Google bis zum Stichtag (dritter Freitag im Dezember 2012) unter $ 600/Aktie notiert…

…. sagen wir, der aktuelle Preis der Google Aktie steht bei $ 550/Aktie,

dann kann der Käufer seine Put Option ausüben.

Wenn der Käufer sein Recht ausübt,

verkauft der Käufer dem Verkäufer nicht die 300 Google Aktien,

sondern der Verkäufer bezahlt dem Käufer dann die Differenz,

  • zwischen dem aktuellen Kurs (in diesem Fall $ 550)
  • und dem zum Zeitpunkt des Optionsverkaufs festgelegtem Basispreis von $ 600/Google Aktie.

Auch in diesem Beispiel beträgt die Preisdifferenz $ 50/Google Aktie.

Der Käufer der Put- Optionen macht dadurch einen Gewinn von $ 9.000 (3 Optionen x 100 Aktien x $ 50 Preisdifferenz/Aktie = $ 15.000 minus $ 6.000 Optionsprämie, die er dem Verkäufer beim Put Optionskauf bezahlt hat).

Der Verkäufer der Put Option hat einen Verlust von $9.000,- gemacht,

Was geschieht wenn die Google Aktie über $ 600/Aktien notiert?

3 – GOOG – Dez12 – 600 – Put – $ 20.

Wenn der Käufer jetzt sein Recht ausüben “würde”,

würde wieder ein Barausgleich stattfinden; doch macht dies Sinn?

  • zwischen dem aktuellen Kurs der Google Aktie von $ 650
  • und dem zum Zeitpunkt des Optionsverkaufs, festgelegtem Basispreis, von $ 600/Google Aktie.

beträgt die Preisdifferenz minus $ 50/Google Aktie.

Der Käufer wird sein Recht natürlich auch hier nicht ausüben und die 3 – GOOG – Dez12 – 600 – Put – Optionen verfallen lassen.

Wenn der Käufer keine Verpflichtung hat, dem Verkäufer eine Preisdifferenz von minus $ 50/Google Aktie zu bezahlen? Warum sollte der Käufer dann seine Optionen ausüben? Denn er würde einen nicht notwendigen Verlust realisieren!

Auch hier der Trading Economics – Hinweis:
Wenn ich schreibe “minus $ 6.000 Optionsprämie” so bezieht sich diese Rechnung auf das Verfallsdatum, also zum Stichtag des dritten Freitag im Dezember 2012 (also dem letzten Tag im Leben dieser “3 – GOOG – Dez12 – 600 – Put – Optionen) .

US-Optionen können im Rahmen der Restlaufzeit – also bis zum Verfallsdatum – gegenüber den in Deutschland so beliebten Optionsscheinen täglich ausgeübt werden.

Wenn ich nun die Rechnung nicht zum Verfalltag des dritten Freitag im Dezember 2012 mache, sondern mein Recht der “3 – GOOG – Dez12 – 600 – Put – Optionen früher ausübe, sieht der Gewinn des Käufers anders aus.

Beispiel:

Heute ist der 27. November 2012, Uhrzeit 15:30

Um 15:31 steht die Google Aktie bei $ 600/Aktie

Sie kaufen

3 – GOOG – Dez12 – 600 – Put – Optionen für $ 20/Option”.

Aus welchen Gründen auch immer, steht die Google Aktie am 27. November 2012 um 18:30 bei $ 550.

Wenn jemand, am 27. November 2012 um 18:30, da nun die Google Aktie bei $ 550 steht, 3 – GOOG – Dez12 – 600 – Put – Optionen kaufen wollte, so müsste dieser nicht $ 20/Option sondern $ 70/Option bezahlen.

Der Gewinn beim Käufer des Puts würde sich nun wie folgt darstellen, wenn er jetzt seine Optionen wieder verlaufen würde:

Er bezahlte $ 20 je Option und dies ist nun $ 70 wert. Der Unterschied ist $50 je Option; die Gesamtrechnung sieht wie folgt aus:

$ 50 Gewinn je Option x 300 Optionen (= 3 Optionskontrakte) = $ 15.000 Gewinn – also „etwas“ mehr als bei dem vorigen Beispiel, als der Käufer bis zum Verfallstag gewartet hatte.

Dies hat “unter anderem” etwas mit dem “Inneren Wert” und dem “Zeitwert” einer Option zu tun.

Können Sie nun vielleicht schon erahnen,

“Wie wir wertvolle Aktien, wie z.B. Apple oder Amazon kostenlos erwerben?”

Wir werden das Thema „Innerer Wert“ und „Zeitwert“ einer Option im Trading Economics-Options-Leitfaden „Wie wird eine Option preislich gestaltet?“ noch ausführlich behandeln.

Das waren die Grundlagen einer Put-Option; ich hoffe es sind keine Fragen offen geblieben.

Wenn doch, hinterlassen Sie einfach einen Kommentar mit Ihrer Frage am Ende dieses Kapitels (Leave a Reply).

Wer fragt ist stets der Klügere!

Bitte lesen Sie “Was ist eine Put-Option” nochmals durch, damit Sie das Put-Options-Konzept sicher verinnerlichen und verstehen.

Prägen Sie sich bitte das Prinzip einer “Put-Option” besonders stark ein.

Im nachfolgenden Kapitel unseres Trading Economics-Options-Leitfaden sehen wir uns gemeinsam an, wie Optionen preislich gestaltet werden.

 

 Alexander Firstbrain
Investor und Autor
Trading Economics
tradingeconomics.net