Der Trading Economics-Options Leitfaden
"Die wunderbare Welt der Optionen"

Kapitel 7 > Was ist eine Call-Option?

 

Wir haben im  Kapitel 6  Was sind Calls und Puts?  gesehen, wie man Optionen in der Welt des Options-Trading professionell einsetzt. Sie wissen, dass es beim Optionstrading einen Käufer und Verkäufer geben muss. Es gibt darüber hinaus eine festgelegte Menge, die zu einem festgelegten Preis bis zu einem festgelegten Zeitpunkt handelbar ist.

In diesem Kapitel 7 werden wir uns mit der Frage “Was ist eine Call-Option?” beschäftigen, Wir erklären den Unterschied der beiden möglichen Ausübungsarten, der Lieferung des Underlyings und dem Barausgleich und sehen uns deshalb gemeinsam zunächst eine Call-Option an.

Nur zur Auffrischung:

Um einer Verwirrung der Schreibweise “Option und Optionskontrakt” vorzubeugen möchten wir an dieser Stelle folgendes nochmals festhalten:

1 Optionskontakt bezieht sich immer auf 100 Call oder Put Optionen, das heißt eine Call oder Put Option ist der hundertste Teil eines Optionskontraktes.

Beim Preis (Optionsprämie) einer Option in einer Options-Chain (Optionskette) wird der hundertste Teil eines Optionskontraktes (mit einer Option) aufgelistet.

Beispiel 1:
Eine Option kostet $ 1,93
Ein Optionskontrakt kostet dann $ 193,- (1,93/Option x 100 Optionen = $ 193,-).

Beispiel 2:
Eine Option kostet $ 1,93
Sie wollen 3 Optionskontrakte (300 Optionen) kaufen…
Diese kosten Sie dann $ 579,- (1,93/Option x 300 Optionen = $ 579,-).

Sie können nicht eine Call oder Put Option kaufen, sondern immer nur die von den Börsen festgelegte Einheit von mindestens EINEM Optionskontrakt, dieser beinhaltet immer 100 Call- oder Put-Optionen!

Wenn Sie 3 Optionskontrakte kaufen wollen so beinhalten diese 300 Call- oder Put-Optionen.

Wenn Sie 10 Optionskontrakte kaufen wollen so beinhalten diese 1.000 Call- oder Put-Optionen.
Ein Käufer wird z.B. eine Google-Call-Option kaufen, wenn er der Meinung ist, der Aktienpreis von Google wird STEIGEN.

Eine Call-Option,

gibt dem Käufer das Recht

aber nicht die Verpflichtung,

innerhalb eines im Voraus bestimmten Zeitraums,

einen im Voraus bestimmten Basiswert (in unserem Fall “Aktien”),

zu einem im Voraus festgelegten Preis,

in einer im Voraus festgelegten Menge,

Aktien vom Verkäufer der Call-Option, zu KAUFEN.

Der Verkäufer der Call-Option ist zur LIEFERUNG der Aktie verpflichtet, für diese Verpflichtung erhält er die Optionsprämie vom Käufer der Option.

Zum besseren Verständnis sehen wir uns eine Google Call-Option an:

1 - GOOG - Dez12 - 600 - Call - $ 20.

  1. 1 - Anzahl der Kontrakte, in diesem Fall ein Optionskontrakt.
  2. GOOG - Google Inc. (Tickersymbol: GOOG).
  3. Dez12 - Dezember 2012 (Ausübungsdatum oder Verfallsdatum). Das Recht auf Ausübung der Option erlischt am Stichtag (dritter Freitag (Schlusskurs) im Dezember 2012).
  4. 600 - $ 600 (Basispreis oder Ausübungspreis).
  5. Call – es handelt sich um eine Call-Option - der Käufer erwartet steigende Kurse.
  6. $20 – zu zahlende Optionsprämie je Option (1 Optionskontrakt = 1 Optionskontrakt x 100 Aktien x $ 20 = $ 2.000 Optionsprämie.).

Das heißt:

Der Käufer dieser Option handelt einen Optionskontakt also 100 Optionen.

Der zugrunde liegende Basiswert dieser Option ist die Google Aktie (GOOG).

Das Recht auf Ausübung der Option erlischt am dritten Freitag im Dezember 2012.

Der Käufer dieser Option hat das Recht, 100 Aktien von Google zu einem Preis von $ 600/Aktie vom Verkäufer zu kaufen.

Der Käufer hat einen Call-Option-Kontrakt gekauft und erwartet somit steigende Kurse der Google Aktie.

Die Kosten für den Erwerb dieser Call-Option ist die Optionsprämie von $ 2.000 (1 Option x 100 Aktien x $ 20).

Der Nominalwert dieser Call-Option beträgt $ 60.000 (1 Option x 100 Aktien x $ 600/Google Aktie).

Sehen Sie es?

Mit nur $ 2.000 Optionsprämie bewege ich $ 60.000 Nominalwert von Google!
.
Das ist ein gewaltiger Hebel, oder?

Deshalb wird dieser Effekt auch Hebelwirkung oder (engl.: Leverage) genannt.

3 – GOOG – Dez12 – 600 – Call – $ 20.

Der Käufer dieser Option handelt 3 Optionskontakte oder 300 Optionen.

Der zugrunde liegende Basiswert dieser Option ist die Google Aktie (GOOG).

Das Recht auf Ausübung der Option erlischt am dritten Freitag im Dezember 2012.

Der Käufer dieser Option hat das Recht, 300 Aktien von Google zu einem Preis von $ 600/Aktie vom Verkäufer der Optionen zu kaufen.

Der Käufer hat einen Call-Option-Kontrakt gekauft und erwartet somit steigende Kurse der Google Aktie.

Die Kosten für den Erwerb dieser Call-Option ist die Optionsprämie von $ 6.000 (3 Optionskontrakte x 100 Aktien x $ 20).

Der Nominalwert dieser Call-Option beträgt $ 180.000 (3 Optionskontrakte x 100 Aktien x $ 600/Google Aktie.).

Ein gewaltiger Hebel, mit nur $ 6.000 Optionsprämie bewege ich einen Nominalwert von $ 180.000 von Google.

Bei den folgenden Beispielen werden ich bei der Optionsausübung, sehr oft die Lieferung wählen. Also die „Ware Aktien“ wird vom Verkäufer zum Käufer (Call) oder vom Käufer zum Verkäufer (Put), geliefert. Wie schon erwähnt findet diese Art der “Optionsausübung” in der Praxis sehr selten statt, da sie mit relativ hohen Kosten verbunden ist und man somit besser die Option wieder verkauft.

Lassen Sie mich das anhand eines Beispiels erklären:

Ausgangspunkt:

Kauf

3 – GOOG – Dez12 – 600 – Call – $ 20.

Die Google Aktie notiert nun während der Laufzeit der Option bei über $ 600 (Basispreis).

Wenn Google vor oder zum Stichtag des dritten Freitag im Dezember 2012 über $ 600 steht…

…. sagen wir bei $ 650/Aktie,

dann wird der Käufer “wahrscheinlich” seine Option ausüben.

In diesem Moment, wenn der Käufer sein Recht ausübt,

muss der Verkäufer

dem Käufer, 300 Google Aktien,

zu dem vorher festgelegten Basispreis,

von $ 600/Aktie LIEFERN.

Der Käufer verkauft dann - da ja die Google Aktie jetzt bei $ 650 steht - diese 300 Google Aktien für $ 650/Aktie am freien Markt (Börse).

Die Preisdifferenz dieser Transaktion beträgt $ 50/Google Aktie.

Da der Käufer ja 300 Google Aktien oder 3 – GOOG – Dez12 – 600 – Call – Optionskontrakte gehandelt hat, macht dieser einen Gewinn von $ 9.000 (3 Optionen x 100 Aktien x $ 50 Preisdifferenz/Aktie = $ 15.000 minus $ 6.000 Optionsprämie, die er dem Verkäufer beim Optionskauf bezahlt hat).

Der Verkäufer verliert somit $ 9.000.

Umgekehrt …

3 – GOOG – Dez12 – 600 – Call – $ 20.

Die Google Aktie notiert unter $ 600 (= Basispreis) …

… sagen wir, der Preis der Google Aktie steht bei $ 550/Aktie

und der Käufer will sein Recht ausüben,

muss der Verkäufer,

dem Käufer 300 Google Aktien für $ 600/Aktie liefern.

Der Käufer verkauft dann,

da ja die Google Aktie jetzt bei $ 550 steht,

diese 300 Google Aktien für $ 550/Aktie am freien Markt (Börse).

Die Preisdifferenz beträgt -$ 50/Google Aktie.
.
.
.

JA, ja, …

… schon gut, schon gut …

Ich höre Sie bis hier nach Kapstadt.

Sie haben Recht,

der Optionskäufer dieser Call-Optionen hat sich mit der Optionsprämie das Recht, aber nicht die Verpflichtung gekauft.

Der Käufer wird sein Recht einfach nicht ausüben und die 3 - GOOG – Dez12 – 600 – Call – Optionen auslaufen (engl.: expire) lassen.

Warum auch sollte der Käufer dem Verkäufer 300 Google Aktien für $ 600/Aktie abkaufen, wenn er sie aktuell an der Börse für nur $ 550/Aktien kaufen kann?

Somit hat der Käufer einen Verlust von $ 6.000 (= Optionsprämie, die er dem Verkäufer beim Optionskauf bezahlt hat).

Und der Verkäufer macht eben einen Gewinn von $ 6.000.

So funktioniert die Ausübung der Option und Lieferung der zugrundeliegenden Aktien.

Wie sieht dies nun aber bei der auch anzutreffenden Ausübungsart – dem sogenannten „Barausgleich“ – aus?

Es gibt Anlageinstrumente, bei denen die Lieferung des zugrundeliegenden Titels ausgeschlossen ist und immer nur ein Barausgleich stattfindet.

Dies wollen wir anhand des S&P 500 Index (SPX) näher erläutern:

3 – SPX – Dez12 – 1.500 Call – $ 20.

Wenn SPX vor oder zum dritten Freitag im Dezember 2012 (Verfalltag) über $ 1.500 notiert…

…. sagen wir, der aktuelle Preis von SPX steht bei $ 1.550,

dann hat der Käufer das Recht, seine Option auszuüben.

Wenn der Käufer sein Recht ausübt,

liefert der Verkäufer dem Käufer nicht die 300 SPX „Aktien“,

sondern der Verkäufer bezahlt dem Käufer einfach die Differenz,

  • zwischen dem aktuellen Kurs, in diesem Fall steht der aktuelle Preis von SPX bei $ 1.550
  • und dem festgelegtem Basispreis, von $ 1.500.

Die Preisdifferenz beträgt also „minus“ $ 50.

Auch in diesem Beispiel hat der Käufer 300 SPX „Aktien“ oder 3 – SPY – Dez12 – 1.500 – Call – Optionen gehandelt und macht dadurch einen Gewinn von $ 9.000 (3 Optionen x 100 Aktien x $ 50 Preisdifferenz/Aktie = $ 15.000 minus $ 6.000 Optionsprämie, die er dem Verkäufer beim Optionskauf bezahlt hat).

Der Verkäufer hat also einen Verlust von $ 9.000 gemacht.

Was geschieht bei einem Barausgleich, wenn die SPX Aktie unter $ 1.500 notiert, z. B. bei $ 1.450?

3 – SPY – Dez12 – 1.500 – Call – $ 20

Wenn der Käufer sein Recht ausüben würde,

liefert der Verkäufer dem Käufer nicht die 300 SPX „Aktien“,

sondern der Verkäufer bezahlt dem Käufer einfach die Differenz,

  • zwischen dem aktuellen Kurs, in diesem Fall notiert SPX bei $ 1.450
  • und dem Basispreis, von $ 1.500.

Die Preisdifferenz beträgt „minus“ $ 50.

Der Käufer wird sein Recht natürlich auch hier nicht ausüben und die 3 – SPX – Dez12 – 1.500 – Call – Optionen auslaufen lassen.

Warum sollte aber der Käufer dem Verkäufer eine Preisdifferenz von „minus“ $ 50 je SPX „Aktie“ bezahlen, wenn er keine Verpflichtung hat? Also wird der Käufer die Call-Option einfach verfallen lassen.

Trading Economics – Hinweis: Wenn ich schreibe “minus $ 6.000 Optionsprämie” so bezieht sich diese Rechnung auf das Verfallsdatum bzw. Ausübungsdatum zum Stichtag des dritten Freitag im Dezember 2012 (also dem letzten Tag im Leben dieser “3 – GOOG – Dez12 – 600 – Call – Optionen”).

US-Optionen können im Rahmen der Restlaufzeit – also bis zum Verfallsdatum – gegenüber den in Deutschland so beliebten Optionsscheinen täglich ausgeübt werden.

Wenn ich nun die Rechnung nicht zum Verfalltag des dritten Freitag im Dezember 2012 mache, sondern mein Recht der “3 – GOOG – Dez12 – 600 – Call – Optionen früher ausübe, sieht der Gewinn des Käufers anders aus.

Beispiel:

Heute ist der 23. April 2012, Uhrzeit 15:30

Um 15:31 steht SPX bei $ 600/Aktie

Sie kaufen “3 – SPX – Dez12 – 1.500 – Call – Optionen für $ 20/Option”.

Aus welchen Gründen auch immer, steht die Google Aktie am 23. April 2012 um 17:30 bei $ 1,550.

Sie könnten nun Ihre Option ausüben. 🙂

Jetzt sieht die Gewinn/Verlustrechnung wie folgt aus:

Sie machen mit Ihren “300 SPX „Aktien“ oder 3 – SPX – Dez12 – 1.500 – Call – Optionen” jetzt einen Gewinn von $ 9.000 (3 Option x 100 Aktien x $ 50 = $ 15.000 minus $ 6.000 Optionsprämie, die Sie dem Verkäufer beim Optionskauf bezahlt haben).

In diesem extremen Beispiel haben Sie die volle Optionsprämie (Zeitwertprämie) Ihrer 3 – SPX – Dez12 – 1.500 – Call – Optionen, die Sie dem Verkäufer bezahlt haben, wieder zurückbekommen.

Aber die Optionen sind wesentlich mehr wert!!, denn am 23. April 2012 um 17:30, da nun die SPX „Aktie“ bei $ 1.500 steht, müsste ein Käufer für die 3 – SPX – Dez12 – 1.500 – Call – Optionen nun nicht mehr nur $ 20/Option sondern sagen wir $ 70/Option bezahlen.

Dies hat “unter anderem” etwas mit dem “Inneren Wert” und dem “Zeitwert” einer Option zu tun.

Wir werden das Thema, Innerer Wert und Zeitwert einer Option, im Trading Economics-Options-Leitfaden „Wie wird eine Optionen preislich gestaltet?“ noch ausführlich behandeln.

Das waren die Grundzüge einer Call-Option, ich hoffe es sind keine Fragen mehr offen.

Wenn doch, hinterlassen Sie einfach einen Kommentar mit Ihrer Frage, am Ende dieses Kapitels (Leave a Reply).

Wer fragt ist stets der Klügere!

Prägen Sie sich bitte das Prinzip einer “Call-Option” ein.

Im nachfolgenden Kapitel unseres Trading Economics-Options-Leitfaden sehen wir uns gemeinsam eine Put-Option an.

Für Trading Economics sind Put-Optionen in Verbindung mit dem Aktientrading, einfach nicht wegzudenken!

 

Alexander Firstbrain
Investor und Autor
Trading Economics
tradingeconomics.net