Der Trading Economics-Options Leitfaden
"Die wunderbare Welt der Optionen"

Kapitel 15 > Was ist der Unterschied zwischen einer europäischen und amerikanischen Option?

 

Sie haben im Artikel 14 "Was bedeutet implizierte Volatilität (IV) im Options-Trading?" über die implizierte Volatilität (IV) gelesen, dass wir beim Kauf von günstigen Optionen eine niedrige IV suchen, welche durch die Rückkehr zum langfristigen Mittel im Preis steigen wird.

Wenn Sie bereits mit Optionsscheinen (was wir nicht hoffen) handeln, lege ich Ihnen ans Herz, sich diesen Artikel 15 mit dem Titel “Was ist der Unterschied zwischen einer europäischen und amerikanischen Option?” gleich mehrmals durchzulesen.

Es wird nicht Ihr Schaden sein, besonders wenn sie ein Trading System mit Absicherung gegen Kursverluste wie wir es tun nachbilden wollen, das verspreche ich Ihnen!

Bevor wir uns den Unterschied einer europäischen und amerikanischen Option ansehen rufen wir uns nochmals ins Gedächtnis, was eine amerikanische Option ist.

Sie können jede amerikanische Option während der Börsenzeiten bis zum Verfallsdatum kaufen, verkaufen oder ausüben!

Das Ziel eines Option Traders ist ja, die gekaufte Option wieder mit Gewinn zu verkaufen oder sie – falls dies Sinn macht – ausüben.

Sehen wir uns zur Auffrischung nochmals das Ausübungsrecht einer Option an:

Call-Option

Ein Käufer wird z.B. eine Coca Cola (KO) – Call-Option kaufen, wenn er der Meinung ist, der Aktienpreis von Coca Cola wird steigen.

Eine Call-Option ist eine Option,

  • bei welcher der Käufer das Recht,
  • aber nicht die Pflicht hat,
  • innerhalb eines im Voraus bestimmten Zeitraums (bis zum Verfalltag),
  • einen im Voraus bestimmten Basiswert (in unserem Fall “KO Aktien”),
  • zu einem im Voraus festgelegten Preis (Basispreis),
  • in einer im Voraus festgelegten Menge (100 Aktien je Optionskontrakt),
  • vom Verkäufer der Call-Option, zu KAUFEN.

Der Verkäufer der Call-Option ist zur LIEFERUNG der Aktie verpflichtet, für diese Verpflichtung erhält er die Optionsprämie vom Käufer der Option.

Put-Option

Ein Käufer wird z.B. eine Coca Cola (KO)-Put-Option kaufen, wenn er der Meinung ist, der Aktienpreis von Coca Cola wird fallen.

Eine Put-Option ist eine Option,

  • bei welcher der Käufer das Recht,
  • aber nicht die Pflicht hat,
  • innerhalb eines im Voraus bestimmten Zeitraums (bis zum Verfallstag),
  • einen im Voraus bestimmten Basiswert (in unserem Fall “KO Aktien”),
  • zu einem im Voraus festgelegten Preis (Basispreis, Ausübungspreis),
  • in einer im Voraus festgelegten Menge (100 Aktien je Optionskontrakt),
  • dem Verkäufer der Put-Option, zu VERKAUFEN.

Der Verkäufer der Put-Option ist zur ABNAHME der Aktie verpflichtet, für diese Verpflichtung erhält er die Optionsprämie vom Käufer der Option.

Wenn also ein Käufer dieses Put oder Call Options Recht wahrnehmen will, spricht man von der Ausübung einer Option.

Europäische und amerikanische Option

Es gibt wie schon erwähnt zwei Arten von Optionen, die sich bei der Ausübung unterscheiden. Eine davon ist die amerikanische Option.

Amerikanischen Option: Diese kann jederzeit bis zum Verfalltag ausgeübt werden!

Die Ausübungsform der amerikanischen Option ist die b ei weitem am meisten gebräuchlichste an den Optionsbörsen.

Die andere ist die europäische Option, wobei diese hat nichts mit Europa zu tun; diese Ausübungsform bezieht sich einzig und allein auf den rechtlichen Rahmen dieser Optionen.

Auch an der EUREX (European Options and Futures Exchange, europäische Terminbörse) wird der rechtlichen Rahmen von amerikanischen Optionen verwendet und es werden deshalb auch an der europäischen Optionsbörse hauptsächlich amerikanische Optionen gehandelt.

Europäische Option: Diese kann nur am Verfalltag ausgeübt werden!

Ich wiederhole es nochmal: Bei einer europäischen Option kann das Recht zur Ausübung nur am Verfalltag vorgenommen werden.

Das ist gleichzeitig der einzige aber überaus wichtige Unterschied zwischen einer europäischen und einer amerikanischen Option.

Optionen im Vergleich mit Optionsscheinen

Die enormen Vorteile beim Traden einer Option gegenüber einem Optionsschein und die den Kauf von Optionsscheinen eigentlich verbieten, liegen klar auf der Hand.

Warum Trader dennoch mit Optionsscheinen handeln ist uns schleierhaft, denn die Nachteile gegenüber einer amerikanischen Option sind so gravierend, dass es schon an ein Wunder (oder Unwissenheit) grenzt, das solche Optionsscheine überhaupt noch an den Finanzmärkten gehandelt werden dürfen. Hier dürfen Banken unwissende Invasoren mit staatlicher Genehmigung über den Tisch ziehen… unfassbar.

Da führt leider die Spur wieder zu unseren „viel geliebten Banken und Wertpapierhäusern“, die als Emittenten solche Optionsscheine auflegen und diese mit enormen Werbeaufwand so aggressiv vermarkten, als wären diese das Profit-Allheilmittel im Finanz-Himmel.

Diese kostenaufwendige Werbung bezahlt natürlich der Investor hauptsächlich in Form von sehr ungünstigen Konditionen für den Käufer des Scheines, übertriebenen Geld und Briefkurs Spannen (Bid, Ask Spread) und eventuell anderen (verdeckten) Kosten!

Der Leverage Effekt (deutsch Hebeleffekt/Hebelwirkung)

Sie haben sicherlich schon gelesen oder gehört: „Ein Trader hat 200 bis 300 Prozent Gewinn mit Optionen gemacht“. Dies ist nichts Ungewöhnliches. Optionen verhelfen einem Investor mit relativ geringem Kapitaleinsatz durch den ihnen innewohnenden Hebeleffekt zu hohen prozentualen Gewinnen – wenn Sie dann richtig liegen mit ihrer Einschätzung.

Gewinne bei steigenden Aktienkursen

Mit einer Call-Option erzielen Sie Gewinne, wenn die zugrunde liegende Aktie (englisch Underlying) steigt. Dies gilt auch für Call-Optionsscheine.

Gewinne bei fallenden Aktienkursen

Mit einer Put-Option erzielen Sie Gewinne, wenn die zugrunde liegende Aktie (englisch Underlying) fällt. Dies gilt auch für Put-Optionsscheine.

Kursmanipulation bei Optionen ausgeschlossen

Die fairen Preise von Optionen werden durch Angebot und Nachfrage und nicht vom Emittenten bei der Auflage von Optionsscheinen bestimmt. Optionsschein Emittenten können die Kurse zum Nachteil der Anleger manipulieren. Darüber hinaus werden Optionen durch ein von der Börsenaufsicht kontrolliertes Organ herausgegeben.

Bitte bedenken Sie, der Investor handelt mit Optionsscheinen immer „gegen die Bank“. Der Optionsscheinmarkt ist ein unkontrollierter Markt, an dem die Teilnehmer faktisch alles machen können…

Optionen werden nicht von Emittenten aufgelegt, deswegen können die Optionspreise von Emittenten nicht manipulieren werden.

Unserer Meinung nach müssten, vom rechtlichen Standpunkt aus gesehen, Optionsscheine mit einem „Achtung Manipulation + Betrug“ Warnaufkleber gekennzeichnet werden.

Eindeutiger Vorteil von Optionen:

KEIN Insolvenzrisiko des Emittenten wie bei Optionsscheinen

Da Optionen keinen Emittenten haben ist ein Totalausfall seines investierten Kapitals durch die Insolvenz des Herausgebers der Wertpapiere (Emittent) ausgeschlossen.

Bei Optionsscheinen sieht das anders aus, diese werden ja von Emittenten aufgelegt. Wird der Emittent zahlungsunfähig, sind die in Optionsscheine investierten Gelder weg. Allein in den Jahren 2010 und 2011 sind in den USA jeweils über 100 Banken in die Insolvenz gegangen.

Der Börsenplatz

Optionen kann man zum Beispiel an der Terminbörse EUREX, der Chicago Board Options Exchange (CBOE), oder der Chicago Mercantile Exchange (CME) handeln.

Wichtiger Hinweis:
Wir empfehlen in keinem Fall den Optionshandel an der deutschen Terminbörse EUREX!!! Falls Sie dort aber trotzdem tätig werden wollne, dann achten Sie bitte auf das Tagesvolumen und den sogenannten „Open Interest“ (Offene Positionen). Die niedrige Liquidität an der EUREX verbietet in nahezu allen Fällen ein Engagement.

An der Chicago Board Options Exchange(CBOE) können Sie dagegen problemlos Optionen handeln.

Die Chicago Board Options Exchange (CBOE), in Chicago, ist eine der weltgrößten Options-Börsen mit einem jährlichen Handelsvolumen von über einer Milliarde Kontrakten. Die CBOE bietet Optionen auf über 2300 Unternehmen, 24 Aktienindizes und 145 Exchange-Traded Funds (ETFs) an.

Trotzdem gilt natürlich auch hier: Liquidität ist alles. Lassen Sie die Finger von Underlyings, die nicht mindestens einige hundert Optionskontrakte in den nächsten 7 Basispreisen um den ATM Basispreis haben (Calls und Puts).

Fragen Sie einmal bei den oben genannten Börsen nach, ob Sie auch Optionsscheine handeln können. Man wird wahrscheinlich nur ein müdes bzw. erstauntes Lächeln für Sie übrig haben.

Ausreichende Absicherung Ihres Aktien-Depots gegen Kurseinbrüche

Wenn die Aktienmärkte, erzielen Sie mit Put-Optionen Gewinne. Reine Aktienportfolios ohne Put-Absicherung verlieren in fallenden Märkten oftmals viel Kapital. Deshalb sollten Sie Ihr Aktiendepot mit Put-Optionen perfekt absichern und erwerben bei einem Kurseinbruch – quasi als Zuigabe - kostenlos Aktien.

Ich denke das muss ich jetzt näher erläutern, oder?

In diesem Artikel wollen wir ja die Vor und Nachteile von Optionen im Vergleich mit Optionsscheinen aufzeigen.

Das Optionen, effizient und verantwortungsvoll eingesetzt, ein mächtiges wenn nicht sogar das mächtigste Finanzprodukt an den Finanzmärkten sind, wird Ihnen im nachfolgenden Beispiel bewusst werden.

Wie gefällt Ihnen der folgende Satz:

Wenn Sie Ihre Aktien gegen einen Wertverlust absichern, um bei entstandenen Schaden (Kursverlust) die Schadensprämie (Optionsgewinn), die Sie bei einem Kurseinbruch erhalten, wieder in neue Aktien zu reinvestieren, sind Sie auf dem besten Weg ein Vermögen aufzubauen, von dem Sie heute nur träumen können!
OHNE JEMALS NEUES GELD ZU INVESTIEREN!!!

Ich weiß, das klingt fantastisch, aber wir machen das jeden Tag auf Neue.

Machen wir nachfolgend deshalb zwei reale Beispiele, damit Sie selbst Nachforschungen anstellen können, ob das alles stimmt, was ich Ihnen hier berichte.

Hinweis: Die nachfolgenden Optionspreise sind die Original Bid/Ask – Preise (Optionsprämien) die zu den jeweiligen Handels-Zeitpunkten gehandelt wurden; und keine geschönten „Zahlen oder Nummern“, um die Beispiele gut aussehen zu lassen – wie dies so viele Mitbewerber machen!

Aktiengesellschaft: International Business Machines Corp. (IBM) – NYSE

Beispiel 1:

Trade 1 – IBM Aktienkurs fällt.

Wir untersuchen drei Unterschiedliche Trades:

Beispiel A: Aktienkauf.
Beispiel B: Put Optionskauf.
Beispiel C: Aktienkauf und Put Optionskauf.
Zeitrahmen: 15. August 2008 bis 12. Dezember 2008.

Chart 1: IBM – Wochen (Weekly) Balken (Bar) Chart.

https://tradingeconomics.net/wp-content/uploads/2014/03/Aktie1-International-Business-Machines-Corp.-IBM-NYSE.png

Beispiel A: Aktienkauf am 15. August 2008

  • 200 IBM Aktien zu einem Kurs von $ 126,36.
  • IBM – Aktienwert: $ 25,272.
  • Gewinnmöglichkeit bei steigenden Aktienkurs: Unbegrenzt.
  • Maximale Verlustmöglichkeit bei fallenden Aktienkurs: $ -25.272.

Beispiel B: Put Optionskauf am 15. August 2008

  • 2 Optionskontrakte – IBM – Jan 09 – 130 – PUT zu $ 9,60.
  • Optionswert: $ 1.920.
  • Gewinnmöglichkeit bei fallenden Aktienkurs: Unbegrenzt (bis zu einem Aktienkurs von $ 0,0).
  • Maximale Verlustmöglichkeit bei steigenden Aktienkurs: $ -1.920.

Jetzt machen Sie eine Symbiose und fügen zwei Finanzprodukte zusammen (Beispiel A und B), um eine Befruchtung zu erzeugen.

Beispiel C: Aktienkauf und Put Optionskauf

Finanzprodukt 1:
200 IBM Aktien zu einem Kurs von $ 126,36.
Aktienwert: $ 25,272.

Finanzprodukt 2:
2 Optionskontrakte – IBM – Jan 09 – 130 – PUT ZU $ 9,60.
Optionswert: $ 1.920.

Symbiose:

  • Aktien und Options Kapitaleinsatz: $ 27.192.
  • Gewinnmöglichkeit bei steigenden Aktienkurs: Unbegrenzt.
  • Maximale Verlustmöglichkeit bei fallenden Aktienkurs: $ -1.192 oder -4.38%.

Aktien und Optionsergebnis am 12. Dezember 2008
Im Einzelnen

Aktien:

IBM – Aktienkurs: $ 82,20/Aktie.
IBM – Aktienwert: $ 16.440.
Verlust: $ -8.832 oder -34,95%.

Optionen:

2 Optionskontrakte – IBM – Jan 09 – 130 – PUT für $ 48.60/Option.
IBM – Optionswert: $ 9.720.
Gewinn: $ 7,800 oder 406,25%.

Ergebnis Aktien und Optionswert:

15. 08. 2008 – Aktien und Options Kapitaleinsatz: $ 27.192.
12. 12. 2008 – Aktien und Optionswert: $ 26.160.
12. 12. 2008 – Verlust: $ -1.032 oder -3,80%.

Nun, am 12. 12. 2008 haben die offenen Positionen (noch im Markt befindlichen Positionen) einen Wert von $ 26.160. Die IBM Aktien haben einen Wert von $ 16.440; das macht einen Verlust von $ -8.832 oder -34,95%. Die Put Optionen haben einen Wert von $ 9.720 das ergibt einen Gewinn von $ 7,800 oder 406,25%.

Und jetzt machen wir eine Anpassung:

Am 12. 12. 2008 verkaufen Sie Ihre zwei im Markt befindlichen Put Optionskontrakte (Glattstellung). Dadurch erhöht sich Ihr Depot Geldkonto (Cash- oder Bar Konto) um $ 9.720.

$ 1.920 haben Sie am 15. August 2008 beim Kauf der Put Optionen bezahlen müssen.
$ 9.720 haben Sie am 12. Dezember durch den Verkauf der Put Optionen erhalten.
Das ergibt einen Gewinn von $ 7,800 oder 406,25%.

Dieser Put Options Gewinn von $ 7,800 ist Ersatz, Ausgleich, Gegenleistung, Wiedergutmachung, Erstattung, Gegenwert, Rückerstattung, Rückzahlung oder Schadenersatz, für Ihren IBM Aktien Verlust von $ -8.832.

Lediglich $ -1.032 oder -3,80% fehlen Ihnen, um diesen IBM Aktienverlustes vollkommen ausgleichen zu können.(Beachten Sie bitte die Anmerkung zu diesem geringen Depot/Portfolioverlust weiter unten!)

Sie haben am 12. 12. 2008 nach dem Verkauf Ihrer 2 Put Optionskontrakte $ 9.720 auf Ihr Depotkonto gutgeschrieben bekommen.

Diese Gutschrift beinhaltet einen Gewinn von $ 7,800 als Gegenleistung für den Verlust Ihrer IBM Aktien.

Viele Menschen haben mit dem Verständnis der kostenlos erworbenen Aktien ein Problem. Das entnehme ich aus einer Vielzahl von E-Mails die uns erreichen.

Deshalb sehen wir uns den Kauf von kostenlos erworbenen Aktien jetzt genauer an:

Sie haben also eine Gutschrift/ Gewinn von $ 7,800 als Gegenleistung für den Verlust Ihrer IBM Aktien auf Ihrem Depotkonto gutgeschrieben bekommen.

JETZT KAUFEN WIR 94 KOSTENLOSE IBM AKTIEN!

Der IBM Aktienkurs steht am 12. Dezember. 2008 bei $ 82,20/Aktie.

Wie schon erwähnt weist durch den Verkauf der zwei Put Optionskontrakte Ihr Depotkonto am 12. 12. 2008 einen Gewinn/Überhang von $ 7,800 auf.

Sie dividieren $ 7,800/Gewinn durch $ 82,20 (Kurs der IBM-Aktie) das ergibt die Zahl 94,891; diese runden Sie dann auf 94 ab.

Jetzt kaufen Sie am 12. Dezember. 2008 nochmals 94 IBM Aktien zu einem Kurs von 82,20/Aktie nach.

In Ihrem Aktiendepot befinden sich nun 294 IBM Aktien mit einem Aktienwert von $ 24.166,80. Der IBM Aktienkaufpreis ist von ursprünglich $ 126,36/Aktie durch den Nachkauf der 94 IBM Aktien zu $ 82,20/Aktie auf einen IBM Aktien – Durchschnittspreis auf 112,24/Aktie gesunken.

Wie sieht am 12. Dezember. 2008 Ihr Depotkontostand nach Trade 1 aus?

15. 08. 2008 – Aktienmenge: 200 IBM Aktien.
15. 08. 2008 – Aktien und Options Kapitaleinsatz: $ 27.192.
12. 12. 2008 – Nach Kauf von kostenlosen Aktien:
12. 12. 2008 – Aktienmenge: 294 IBM Aktien.
12. 12. 2008 – Aktienwert: $ 26.160.
12. 12. 2008 – Verlust: $ -1.032 oder -3,80%.

Ich habe eingangs geschrieben „Mit diesem „kostenlos erworbenen Aktien“ haben viele Menschen ein Problem. Das entnehme ich aus einer Vielzahl von E-Mails die uns erreichen.“

Jetzt eine Frage an Sie, sind Ihrer Meinung nach diese 94 IBM Aktien, gekauft zu einem Kurs von $ 82,20/Aktie, nun kostenlos oder nicht?

Anmerkung: Ich habe weiter oben geschrieben "Lediglich $ -1.032 oder -3,80% fehlen Ihnen, um den IBM Aktienkursverlust vollkommen ausgleichen zu können."

Selbstverständlich können Sie einen vollkommenen Ausgleich des IBM Aktienverlustes erreichen und darüber hinaus, sogar noch einen Gewinn verzeichnen. Dafür müssten Sie statt zwei (wie in unserem Beispiel oben) 3 Optionskontrakte–IBM–Jan 09–130–PUT für $ 9,60/Option kaufen.

Wenn Sie 3 Optionskontrakte–IBM–Jan 09–130–PUT für $ 9,60/Option kaufen bleibt auch das Gewinnpotential bei steigenden Kursen unbegrenzt; aber das so oder so schon sehr begrenzte Verlustrisiko (das Sie mit 2 Optionskontrakten haben, also einer Absicherung 1:1) ist bei fallenden Kursen, mit 3 Optionskontrakten quasi nicht mehr vorhanden.

Rechnen Sie sich bitte selber einmal folgendes aus:

15. 08. 2008 – Kauf: 200 IBM Aktien zu einem Kurs von $ 126,36.
15. 08. 2008 – Kauf: 3 Optionskontrakte – IBM – Jan 09 – 130 – PUT für $ 9,60/Option.
12. 12. 2008 – IBM Aktienkurs $ 82,20.
12. 12. 2008 – Verkauf: 3 Optionskontrakte – IBM – Jan 09 – 130 – PUT für $ 48.60/Option.

Wie viele kostenlose IBM Aktien können Sie nun kaufen?

Mit Put-Optionsscheinen ist eine professionell Absicherung Ihres Aktienportfolios nicht möglich, da keine ausreichenden Sicherheiten vorhanden sind.

Der Grund ist simpel:

Gerade bei einem Börsen Crash, wenn Put Optionen ihren vollen Power ausspielen, steigt, wie uns die Vergangenheit mehrmals gezeigt hat, das Risiko einer Bankenpleite und damit einhergehend, wenn Sie zu einem solchen Zeitpunkt Kapital in Put-Optionsscheine investiert haben, der Totalverlust Ihres Kapitales.

Nicht nur dass gegebenenfalls die Absicherung Ihres Aktienportfolios verloren ist, sondern darüber hinaus entstehen Ihnen dann zusätzliche Verluste durch den Totalausfall, des in entsprechende Optionsscheine investiertem Kapital.

Der Alptraum eines jeden Investor:

Lehman Brothers Holdings Inc. in EUR

  • 01.04.2008-1000 Lehman Aktien-Aktienkurs 441.90.
  • 01.04.2008-Sie kaufen Lehman-Put-Optionsscheine-Basis 440 als Absicherung für Ihre Lehman Aktien.
  • 19.11.2008-1000 Lehman Aktien-Aktienkurs 0.90.

Als wenn das für Sie als Investor nicht schon genug wäre…

Meldet auch der Emittent Insolvenz an, wo Sie Ihre Put-Optionsscheine als Absicherung für Ihre Lehman Aktien gekauft haben!

Das nennt man dann im Börsen-Chargon: „Totalverlust Ihres eingesetzten Kapitals“!

Warum geht die Bank bzw. der Emittent Insolvent?

Der Emittent hat sich eben mal kräftige verspekuliert bzw. verzockt.

Denn dieser müsste Ihnen für Ihre Lehman-Put-Optionsscheine-Basis 440 jetzt EUR 440.000 bezahlen!

Wenn so ein Emittent nun aber nicht nur Ihnen sondern zigtausend Investoren Lehmann-Put-Optionsscheine verkauft hat, kommt natürlich bei so einem Börsen Crash ein ganz schönes Sümmchen zustande, bei dem es dem Emittenten natürlich schwerfällt, diesen Betrag an seine Kunden ausbezahlen zu müssen!

Einige Emittenten haben eigentlich überhaupt kein Risiko! Denn wenn sich diese wieder einmal kräftigt verspekulieren bekommen sie ja wieder aus Steuergeldern finanzierte staatliche Hilfspakete!

Hier muss ich es nochmal deutlich niederschreiben: Wenn Sie, wie im obigen Lehman Beispiel dargestellt, Put Optionen statt Put Optionsscheine gekauft haben, sieht die Rechnung selbstverständlich anders aus.

Beispiel:

Beispiel halber rechnen wir nachfolgend in USD

  • 01.04.2008-1000 Lehman Aktien- Aktienkurs 441.90
  • 01.04.2008-Sie kaufen (Käufer) 10 Optionskontrakte-Basis 440-Dez 2008-Put, als Absicherung für Ihre Lehman Aktien.
  • 19.11.2008-1000 Lehman Aktien- Aktienkurs 0.90.
  • Der Käufer hat am 01.04.2008 1000 Lehman Brothers Aktien mit einem Wert von $ 441.90/Aktie ($ 441.900/1000 Aktien) in seinem Aktienportfolio.
  • Der Käufer kauft jetzt Lehman Put-Optionen zur Absicherung seiner 1000 Lehman Aktien.
  • Der Käufer kauft 1000 – Lehman Brothers Put Optionen–Dez08–440 – Put zu $ 39/Option.
  • Der Käufer dieser Option hat nun 1000 Optionen x $39/Option als offene (im Markt befindliche) Positionen (englisch open Positions) in seinem Aktienportfolio.
  • Der zugrunde liegende Basiswert dieser Option ist die Lehman Brothers Holdings Inc. Aktie.
  • Das Recht auf Ausübung der Option wird erlöschen, zum Stichtag des dritten Freitag (Schlusskurs), im Dezember 2008.
  • Der Käufer dieser Option hat das Recht, bis zum Stichtag des dritten Freitag (Schlusskurs), im Dezember 2008, jederzeit 1000 Lehman
  • Aktien zu einem Preis von $ 440/Aktie, dem Verkäufer der 1000 Lehman Optionen zu verkaufen.
  • Die Kosten für den Erwerb dieser Lehman Put-Optionen ist die Optionsprämie in Höhe von $ 39.000 (1000 Optionen x $ 39/Option).
  • Der Options Kontraktwert dieser Lehman Put-Optionen beträgt $ 440.000 (1000 Optionen x $ 440/Lehman Aktien).
    Ausübung Ihres Rechtes als Put Options Käufer

Ausübung Ihres Rechtes als Put Options Käufer

Am 19.11.2008 besitzen Ihre Lehman Aktien einen Wert von $ 0.90/Aktie oder $ 900/1000 Aktien.

Nur zur Wiederholung: Kapitel 8 "Was ist eine Put-Option?"

Ein Käufer wird z.B. eine Lehman-Put-Option kaufen, wenn er der Meinung ist, der Aktienpreis von Lehman wird fallen.

Eine Put-Option ist eine Option,

  • bei welcher der Käufer das Recht,
  • aber nicht die Pflicht hat,
  • innerhalb eines im Voraus bestimmten Zeitraums (bis zum Ausübungsmonat),
  • einen im Voraus bestimmten Basiswert (in unserem Fall “Lehman Aktien”),
  • zu einem im Voraus festgelegten Preis (Basispreis, Ausübungspreis),
  • in einer im Voraus festgelegten Menge,
  • Aktien dem Verkäufer der Lehman Put-Option, zu VERKAUFEN.

Jetzt üben Sie also Ihr Recht als Options Käufer aus und verkaufen dem Options Verkäufer Ihre 1000-Lehman-Aktien zu dem im Voraus festgelegten Preis (Basispreis) zu $ 440/Aktie.

Der Options Verkäufer (Stillhalter) ist verpflichtet (wenn er Ihnen am 01.04.2008, 1000-Lehman-Put Optionen-Dez08-440-Put zu $ 39/Option, verkauft hat, am 19.11.2008 die in Ihrem Besitz befindlichen Lehman Aktien (mit einem aktuellen Wert von $ 0.90/Aktie oder $ 900/1000 Aktien) für $ 440/Aktie oder $ 440.000/1000 Aktien, abzukaufen!

Gewinn und Verlustrechnung:

  • Verlust des Options Verkäufer: $ -401.000 ($ 440.000 – $ 39.000 erhaltene Optionsprämie).
  • Verlust des Options Käufer: $ -39.000 (bezahlte Optionsprämie).
  • Kapitalerhalt des Lehman Aktienbesitzers: $ 401.000 ($ 440.000 – $ 39.000 bezahlte Optionsprämie).

Wie Sie gesehen haben ist bei Optionen ein Totalverlust Ihres Kapitals ausgeschlossen, denn Emittenten gibt es nicht.

Sie haben Ihr Aktien Depot verantwortungsvoll abgesichert, aber die von Ihrem Emittenten ausgestellten Versicherungen in Form von Lehman-Put-Optionsscheinen, waren durch die Insolvenz des Emittenten, keinen Pfifferling wert.

Eindeutiger "Kapitalerhalt-Sicherheitsvorteil" für Optionen!

Rechtliche Definitionen

Optionen sind standardisiert und damit klar und deutlich geregelt. Jeder, der mit ihnen handelt hat dieselben fairen Bedingungen!!!

Bei Optionsscheinen müssen Sie erst einmal ein 160 DIN A4 seitiges Buch aufschlagen und studieren (nicht lesen), um wirklich zu verstehen, auf was Sie sich da eigentlich einlassen.

Bei jeder neuen Investition in Optionsscheinen müssen Sie dieses Studieren wiederholen, denn keine rechtliche Verpflichtung eines dieser Emittenten gleicht der anderen.

Man (die Bank, der Emittent) will ja in jedem Fall abgesichert sein!

Mein mittlerweile 8 jähriger (!) Sohn ist im amerikanischen Options-Trading auf seiner Handelsplattform schon ein kleiner Weltmeister. Für Ihn ist diese Tätigkeit schon eine Selbstverständlichkeit.

Sie würden staunen, wenn Sie sehen würden was mein 8 jähriger Sohn über diese sogenannten „160 DIN A4 seitigen Optionsschein Bücher“ denkt und glauben Sie mir, er versteht schon “recht gut” die rechtlichen Definitionen von Optionen.

Optionen sind nicht nur vielseitig einsetzbar, sondern Optionen sind für uns wichtige Finanzinstrumente, um zu jeder Zeit unsere Aktienwerte gegen Kurseinbrüche absichern zu können.

Wenn Sie Optionsscheine kaufen wollen bestimmt der Emittent, welche Bedingungen gelten. Wenn Sie wie wir das Portfolio von Warren Buffett nachbilden, gibt es auf unzählige qualitativ hochwertige US-Aktien kein Produkt dieser Emittenten; denken Sie einmal darüber nach.

In den USA sind Optionsscheine wegen ihrer Manipulationsmöglichkeiten verboten. Optionen dagegen sind in den USA das meist verwendete Leverage (deutsch Hebel) Finanzprodukt.

Das Optionsschein Verbot an der Börse in den USA (dem Land der ansonsten unbegrenzten Möglichkeiten) sagt eigentlich alles aus!

Fazit

Optionen haben gegenüber Optionsscheinen exorbitante Vorteile, dass es schon an ein Wunder grenzt, dass Investoren und Trader überhaupt noch Optionsscheine handeln (dürfen).

Hier nochmals die gravierenden Nachteile von Optionsscheinen…

  • Kursmanipulation.
  • Insolvenzrisiko des Emittenten.
  • Nachteilige Konditionen für den Käufer (also SIE); meist liegen alle Vorteile auf Seiten des Emittenten.

…dies sind einfach K.O.-Kriterien, die eindeutig gegen einen Kauf von Optionsscheinen und für die in unseren Optionsleitfaden "Die wunderbare Welt der Optionen" behandelten US Optionen sprechen.

Sie wissen nun sicherlich selbst, wer von diesen zwei Finanzprodukten der geeignete Kandidat für das Trading mit Derivaten zum Absichern ihrer Aktien gegen Kursverluste ist!

 

Alexander Firstbrain
Investor und Autor
Trading Economics
tradingeconomics.net