Der Trading Economics-Options Leitfaden
"Die wunderbare Welt der Optionen"

Kapitel 18 > Was bedeutet Bid und Ask und was ist ein Bid-Ask-Spread?

 

Im Kapitel 17 „Was haben die Griechen mit Optionen zu tun“ haben Sie die Optionsindikatoren Delta, Gamma, Theta und Vega kennengelernt. Neben den Griechen gibt es noch eine weitere Größe dem wir beim Handel mit Optionen unsere Aufmerksamkeit schenken sollten: der Bid - Ask Spread.

In diesem Kapitel 18 „Was bedeutet Bid und Ask und was ist ein Bid-Ask Spread?“ werden Sie erkennen das Bid, Ask und der Bid-Ask-Spread – sehr wichtige Größen sind, die über Erfolg und Misserfolg einer Optionsstrategie mitentscheiden.

Die Bedeutung des Bid-Ask-Spreads wird fast immer von Investoren und Anlegern beim Traden mit Optionen unterschätzt, ist aber für den Erfolg einer Optionsstrategie immer von großer Bedeutung. Ich werde dies im Verlauf dieses Artikels noch erklären und versuchen, Sie dafür zu sensibilisieren, aber zunächst sollten wir die einzelnen Begriffe klären:

Bid:
Im Englischen für „Angebot“ oder auch Geldkurs. Es ist der höchste Kurs, zu dem ein jemand bereit ist, das entsprechende Instrument (Aktie, Option, ein Wertpapier und dergleichen) zu kaufen. Es ist also der Kurs, den man maximal bekommt, will man sicher gehen, dass das Finanzprodukt verkauft wird. Allerdings kann sich der Bid-Kurs jederzeit ändern.

Ask:
Im Englischen für „Nachfrage“ oder auch Briefkurs. Es ist der geringste Kurs, zu dem ein jemand bereit ist, das entsprechende Instrument (Aktie, Option, ein Wertpapier und dergleichen) zu verkaufen. Es ist also der Kurs, den man mindestens bezahlen muss, will man sicher gehen, dass das Finanzprodukt gekauft wird. Allerdings kann sich der Ask-Kurs jederzeit ändern.

Bid-Ask-Spread:

Der Unterschied, also die Spanne zwischen Bid und Ask ist nun der Bid-Ask-Spread, so einfach ist das; wobei der Ask-Kurs immer höher ist, als der Bid-Kurs, da sonst sofort „Arbitrage“ einsetzten würde und ein etwaiges Ungleichgewicht innerhalb von Millisekunden ausgeglichen würde.

Warum aber ist der Bid-Ask-Spread beim Trading mit Optionen nun so wichtig?

Nun stellen sie sich einfach einmal vor, dass dieser Spread bei einer Option $1,00 beträgt und in einem anderen Fall nur $0,10! D. h. im ersten Falle würden Sie, falls Sie die Option kaufen und sofort wieder verkaufen würden $1,00 und – da eine Aktienoption sich immer auf 100 Aktien bezieht – $ 100 verlieren und im zweiten Fall „nur“ $ 10 . Welchen Spread würden Sie also vorziehen?

Dieser Spread ist die Verdienstspanne der sogenannten „Maket Maker“ (also die Händler, dem Markt die Liquidität zur Verfügung stellen, indem sie jederzeit einen Bid- und Ask-Kurs stellen). Je größer diese Spanne ist, umso mehr verdienen die Market Maker und umso weniger Sie selbst, da sie diese Spanne zuerst einmal „zurück verdienen“ müssen. Sie ist also ein wichtiger Kostenfaktor in jeder Optionsstrategie und kann, wenn man nicht darauf achtet schnell ein Mehrfaches der anderen Brokergebühren (wie z. B. Kommissionen) betragen (!) und eine gute Optionsstrategie ad absurdum führen.

Gottseidank gibt es jetzt auch Optionen, die mit einem Spread von nur $ 0,01 angeboten werden – das Beste, was uns Optionsanlegern seit langem passiert ist – denn je nach Größe des Depots und der Häufigkeit der Käufe und Verkäufe kann dies schnell einen Unterschied von mehreren zehntausend US-Dollar ausmachen! Sehen Sie sich dazu die nachfolgenden Beispiele an.

Anmerkung: Sehr kleiene Bid-Ask-Spreads bedeuten auch hohe Liquidität im jeweiligen Produkt und Liquidät steht über allem.

Ohne Liquidität kein Trade

Wenn Sie nicht anderes aus diesem Leitfaden mitnehmen oder behalten wollen… Diesen Grundsatz sollten Sie immer beherzigen; im Übrigen auch bei allem anderen Trades.

Was nützt ein Papiergewinn, wenn Sie aus der Position nicht mit Leichtigkeit herauskommen und womöglich zwei Mal die gesamte Bid-Ask-Spanne bezahlen müssen? Das kann Ihren gesamten Gewinn „auffressen“…

Im Übrigen steht der Bid-Kurs fast immer links und der Ask-Kurs rechts auf einer Kurstafel. Spreads sind auch nicht „festgeschrieben“, sondern je nach Angebot und Nachfrage können sie stark schwanken, denn nur alleine der Market Maker stellt die entsprechenden Kurse und bestimmt somit den Spread.

Hier noch ein „Geheimtipp“, der Ihnen beim Trading mit Optionen über die Zeit zehntausende von US-Dollar einsparen wird (und ich wurde schon von Market Makern bedroht, weil ich dieses „Geheimnis“ einfach so weitergebe… sie verlieren Millionen…):

Sobald Sie sich mit der Ordereingabe eingehend befasst haben und sicher dabei sind, sollten Sie versuchen, beim Kauf oder Verkauf, nicht einfach den Bid- oder Ask-Kurs zu bezahlen, sondern einen Kurs in der „Mitte“ von Bid- und Ask-Kurs zu bekommen; und das geht so:

Wenn Sie kaufen wollen:

Nehmen Sie den Bid-Ask-Spread und teilen sie in genau in der Mitte; berechnen Sie nun die Differenz zwischen Ask-Kurs und dieser Mitte (Ask-Kurs minus Mitte) und teilen Sie diese Differenz in 3 Teile; addieren Sie nun einen Teil zu der Mitte und versuchen Sie diesen Preis zu bekommen.

Denken Sie auch bei den folgenden Beispielen daran: 1 Optionskontakt besteht immer aus 100 Optionen, das heißt eine Option ist der hundertste teil eines Optionskontraktes.
Auch die preisliche Gestaltung in einer Options Chain (Optionskette) wird durch den hundertsten teil eines Optionskontraktes (mit einer Option) aufgelistet.
Also: Eine Option kostet $ 1,90 - Ein Optionskontrakt kostet dann $ 190,- (1,90/Option x 100/Optionen = $ 190,-).
Sie können nicht eine Option kaufen, sondern immer nur die von den Börsen festgelegte Einheit von mindestens EINEM Optionskontrakt, dieser beinhaltet immer 100 Optionen.

Zum Beispiel:

Bid: $ 1,60
Ask: $ 1,90

Dann ergibt sich:

Bid-Ask-Spread: $ 0,30
Die Hälfte davon: $ 0,15 und damit als Mittelpreis: $ 1,75
Der 3. Teil davon: $ 0,05
Addiert zum Mittelpreis: $ 1,80

$ 1,80 ist also der Preis, den sie versuchen sollten maximal für Ihren Optionskontrakt zu bezahlen, das sind immerhin $ 10 Ersparnis für jeden Optionskontrakt, den Sie kaufen, bei 10 Kontrakten $ 100, bei 100 Kontrakten $ 1.000 und bei 1.000 Kontrakten schon $ 10.000; und glauben Sie mir, wenn Sie richtig in Optionsstrategien involviert sind, dann ist dies schnell erreicht. Alleine dieser Tipp ist schon ein Mehrfaches Ihres Mitgliederbetrages wert.

Wenn Sie verkaufen wollen:

Nehmen Sie den Bid-Ask-Spread und teilen sie in genau in der Mitte; berechnen Sie nun die Differenz zwischen Bid-Kurs und dieser Mitte (Mitte minus Bid-Kurs) und teilen Sie diese Differenz in 3 Teile; subtrahieren Sie nun einen Teil von der Mitte und versuchen Sie diesen Preis zu bekommen.

Beispiel:

Bid: $ 1,60
Ask: $ 1,90

Dann ergibt sich:

Bid-Ask-Spread: $ 0,30
Die Hälfte davon: $ 0,15 und damit als Mittelpreis: $ 1,75
Der 3. Teil davon: $ 0,05
Subtrahiert vom Mittelpreis: $ 1,70

$ 1,70 ist also der Preis, den sie versuchen sollten maximal zu erhalten, wenn Sie Ihren Optionskontrakt verkaufen.

Im Folgenden ein Schaubild am Beispiel der thinkorswim-Trading-Platform:

https://tradingeconomics.net/wp-content/uploads/2014/08/Bid-Ask-Optionschain.png

Hier befinden sich die Optionsprämien der CALLS auf der linken Seite und die der PUTS auf der rechten Seite (grüne Pfeile). Die entsprechenden Bid-Kurse stehen jeweils links (roter Kasten) und die Ask-Kurse jeweils rechts (grüner Kasten).

Das schwarze Rechteck umfasst nun eine spezielle Optionsprämie (hier: den 125er September Call auf Boing [BA]). Der Bid-Kurs beträgt $ 1,57, der Ask-Kurs $ 1,62 und der Bid-Ask-Spread $ 0,05, also 5 US-Cent.

 

 

Alexander Firstbrain
Investor und Autor
Trading Economics
tradingeconomics.net