Der Trading Economics-Options Leitfaden
"Die wunderbare Welt der Optionen"

Kapitel 21 > Covered Call

 

Eines vorweg:
ich schreibe hier über die Strategie des "Covered Calls" NUR, um Ihnen zu zeigen und zu beweisen, dass man im Optionstrading alles richtig aber auch alles falsch machen kann; um damit meine Aussage zu untermauern: man kann unbegrenztes Risiko im Optionstrading eingehen, aber nur, wenn man die nötige Erfahrung und das nötige Wissen hat. Das heißt aber nicht, dass ich diese Covered Call Strategie jemals empfehlen noch selbst anwenden würde!!!

Wenn man weiß, was man macht, dann kann man im Optionsmarkt alles tun (eben und vor allem Optionspremium verkaufen) und fast immer ist dies auch erfolgreicher, als die bisher von der Industrie gepredigten Covered Call Strategien:

Um dies zu verdeutlichen, werde ich Ihnen im Folgenden aufzeigen, wie man die Strategie "Covered Call" falsch und richtig anwenden kann. Alleine dieses Wissen ist tausende wenn nicht gar hunderttausende von Euro wert (je nach Ihrer Depotgröße)

Es gibt in inzwischen etliche Internetseiten, die mit einem Service oder Information über die bekannte Strategie "Covered Call" ihr Geld verdienen. Nur machen alle - und ich wiederhole alle - denselben Fehler: Sie nutzen/erklären die "alte" Strategie des Covered Call: kaufe Aktien und verkaufe einen Call dessen Basispreis über dem aktuellen Kurs liegt

Es gibt sicherlich Gründe für eine derartige Strategie

  1. Cost basis reduction (eines der "Zauberworte" des modernen Anlage Managements), also "wie reduziere ich meine Einstandskosten?" - Ich senke ja mit der vereinnahmten Prämie des verkauften Calls meinen Einstand
  2. Abschreiben der Aktie auf null, d.h. es gelingt mir, diesen Vorgang so oft zu wiederholen, bis alle eingenommenen Optionsprämien gleich dem aktuellen Aktienpreis entsprechen, dann habe ich quasi für die Aktie nichts bezahlt. Rechnet man nun noch die eventual gezahlten Dividenden dazu, scheint dies ein lohnendes Geschäft zu sein
  3. Eine- zumindest geringe - Absicherung (in Höhe der vereinnahmten Call-Options-Prämie) gegen einen Kursverlust der Aktie.

um nur einige zu nennen.

Problem dabei ist aber:

  1. Diese "alte" Covernd Call Strategie hat unbegrenztes Risiko (Aktie fällt auf null). Im Übrigen hat damit auch jeder reine Aktienkauf unbegrenztes Risiko, nur denkt niemand in diesen Kategorien - aber denken Sie jetzt einfach mal darüber nach… also mir wird immer schwindelig, wenn ich sehe, das Anleger einfach Aktien kaufen und dann hoffen, dass diese steigen mögen… bei einer Wahrscheinlichkeit von unter 50%, dass das passiert und gleichzeitigem unbegrenztem Risiko ein Wahnsinn…Deshalb hier der Hinweis auf unsere Strategie "Aktienkauf mit Absicherung" oder wie wir es nennen "kostenlos Aktien kaufen"
  2. Man gibt das unlimitierte Gewinnpotential auf, das ein reiner Aktienkauf hätte.
  3. Keiner dieser selbsternannten "Experten" weiß allerdings, welche Variablen stimmen müssen, damit die Strategie des Covered Calls auch funktioniert (z. B. kann man diese nur in Zeiten hoher Volatilität machen).
  4. Man muss annehmen, dass die Aktie leicht steigt (möglichst nicht über den Basispreis des verkauften Calls), da sonst eine wichtige Grundlage für diese Strategie fehlt - und damit macht man eine "Directional Bet", also man trifft eine Annahme über die künftige Preisentwicklung einer Aktie - na ja und was wir davon halten wissen Sie ja bereits: gar nichts; denn NIEMAND auf dieser Welt weiß irgendetwas über den künftigen Verlauf auch nur einer Aktie
  5. Nur sehr wenige wissen, was zu tun ist, wenn sich die Aktie eben nicht so bewegt, wie man angenommen hat (was fast immer passiert), also wie eine sogenannte "Follow up Action" auszusehen hat: was mache ich, wenn die Aktie stark steigt oder vor allem, wenn sie stark fällt.

Die "alte" Covernd Call Strategie an sich ist - richtig ausgeführt - gar nicht so schlecht, aber warum sie mit unbegrenztem Risiko machen, wenn es wesentlich bessere Alternativen gibt?

Und dazu ein Beispiel:

"Poor man's Covered Call" (Long Delta Diagonal)

Hierbei wird der Aktienkauf durch den Kauf eines langlaufenden Calls ersetzt und ein kurzlaufender Call verkauft. Damit ist das Risiko auf den beim Eingehen der Position gezahlten Betrag begrenzt, da Sie nie mehr als diesen Betrag verlieren können.

Es gibt mannigfaltige Gründe für die Wahl eines "Poor man's Covered Call"

  1. Reduzierung der Kosten und damit Entlastung des Depot, um z. B. mit dem frei werdenden (weniger investiertem) Geld andere Strategien zu machen
    Beispiel:
    Wenn Sie 100 Google Aktien à USD 500 kaufen, dann investieren Sie USD 50.000
    Wenn Sie dagegen einen Call kaufen, der z. B. einen Baisispreis von USD 480 hat und USD 30 kostet, dann investieren Sie nur USD 3.000 (USD 30 x 100 - Ein gewaltiger Unterschied.
    Damit wird natürlich auch die Rendite der Strategie wesentlich positiv beeinflusst, aber dass nur mal nebenbei (siehe Punkt 4.)
  2. Möglichkeit einen Covered Call auch bei hochpreisigen Aktien(z. B. Google) zu machen (Stichwort: Margin Requirement) da ja wesentlich weniger Kapital aufgewendet werden muss.
  3. Reduzierung des Risikos auf die anfangs gezahlte Prämie!!! Das heißt Umgehung des unbegrenzten Risikos eines klassischen "Covered Calls"
  4. Dramatische Erhöhung der Rendite. Dazu ein Beispiel:

Rendite einer Poor man's - Covered Call Strategie
Sehen wir uns die Mechanik eines "Poor man's Covered Calls" an einem Beispiel etwas genauer an:

Google notiert bei USD 600
Der März 2015 Call mit der Basis 610 kotest USD 10,00
Der Juli 2015 Call mit der Basis 580 kostet USD 38,00

Beim "Poor man's Covered Call kauft man nun den länger laufenden Call (Juli 2016) und verkauft den kürzer laufenden (März 2016) dagegen. Dies kostet dann folglich USD 28 (USD 38 minus USD 10).

Damit hat man sein unbegrenztes Risiko gegenüber der im Internet von Gurus propagierten und angepriesenen Strategie des "Coverd Call" sein Risiko auf USD 18 je Option (oder USD 1.800 je Optionskontrakt) gesenkt,

Klasse werden Sie sagen und vielen Dank tradingeconomis und sich vielleicht denken: "Mann die sind ganz schön doof, dass die das so einfach publizieren und nicht mal etwas dafür verlangen, aber egal Hauptsache ich weiß das jetzt…" und gehen frisch ans Werk.

ABER!!! Ich darf Sie warnen, denn das ist nur die halbe Wahrheit!!! Natürlich sind Sie jetzt hunderttausenden von Anleger mit dem Wissen schon weit überlegen, ABER es fehlt eben noch eine winzige Kleinigkeit, die dann schlussendlich die Spreu vom Weizen trennt und Sie dann wirklich zum Experten - zumindest bei dieser Strategie - macht, wenn Sie sie wissen. Diese Kleinigkeit führt nämlich dazu, dass Sie niemals mehr verlieren können, als Sie anfangs für diesen "Poor man's Covered Call bezahlt haben. Wenn sie auf diese folgende Regel nicht achtgeben, dann haben sie zwar schon einen großen Vorteil (wie gerade beschrieben) gegenüber all den Anlegern, die nur den "normalen" Covered Call" kennen - und dafür den "Experten" horrende Summen hinterherwerfen - aber Sie gehen immer noch ein hohes Risiko sein und verlieren über die Zeit Geld.

Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, warum wir hier bei tradingeconomics Ihnen das folgende kleine "Geheimnis" der wirklichen Profis "verraten", aber dazu gibt es 2 einfache Gründe:

  1. Wir wollen Ihnen damit zeigen, dass wir wirklich Experten sind und wissen, was wir tun (wie Sie wissen, haben wir jahrzehntelange Erfahrung im Haus)
  2. Wir wenden diese Strategie quasi fast nie selber an und empfehlen sie auch nicht weiter - denn es gibt wesentlich bessere heißt risikolosere und ertragsstärkere Strategien; deswegen können wir hier auch darauf verzichten, für dieses Wissen hunderte oder gar tausende von Euros zu verlangen, wie es so viel Mitbewerber tun…

Und hier kommt der entscheidende Punkt, den nur sehr wenige kennen, der diese Strategie - wenn sie dann schon jemand unbedingt anwenden will - zum Erfolg führt und verhindert, dass Sie jemals mehr als Ihren Einsatz verlieren können:

Sie müssen bei dem Eingehen der Position darauf achten, dass Sie so wenig wie möglich Zeitwert (extrinsic Value oder time Value), bei der langlaufenden Call-Option bezahlen (in unserem obigen Beispiel USD 18,00) im Verhältnis zur vereinnahmten Prämie, das über die Wahl des Basispreises bestimmt wird.

in unserem obigen Beispiel hat die länger laufende Call-Option einen Zeitwert von USD 8,00, weil gilt:
Zeitwert = Basispreis des Calls + Optionsprämie - aktueller Kurs und damit Zeitwert = 580 + 38 -610 = 8.

Sie haben in Verbindung mit der Einnahme in Höhe von USD 10,00 für den verkauften kürzer laufenden Call somit mehr Prämie eingenommen (USD 2,00) , als Sie an Zeitwert für die länger laufende Call-Option bezahlt haben.

Damit wird gewährleistet, dass Sie niemals mehr verlieren können, als Sie ursprünglich beim Eingehen der Position bezahlt haben. Die Erklärung dieses Umstandes würde hier allerdings den Rahmen dieses Artikels sprengen, deshalb: glauben sie es uns, es ist so.

Sie besitzen nun ein wertvolles Wissen, das nur wenige haben… völlig umsonst!!!

So und nun vergleichen Sie selbst, welche Covered Call Strategie besser ist, und ob sie weiterhin irgendwelchen selbsternannten Experten Ihr gutes Geld hinterherwerfen wollen; es ist Ihre Entscheidung…

Noch eine freundliche Warnung:

Wenn Sie nun glauben ein Experte in Sachen "Covered Call" zu sein und alles zu wissen, was nötig ist, um mit dieser Strategie wirklich erfolgreich zu sein, dann muss ich Sie enttäuschen, denn es gibt weit mehr Variablen, auf die Sie achten müssen die den Unterschied machen, ob Sie mit der Strategie richtig Geld verdienen oder letztendlich scheitern und nur mickrige Renditen erzielen oder gar Verluste machen.

Es sei hier nur erwähnt, dass Sie genau wissen müssen bei welcher Volatilität sie die Covered Call Strategie einsetzen können. Welche Basispreise zu nutzen sind (abhängig von der Volatilität, welche Verfallsmonate Sie wählen müssen; Sie müssen die richtige "Follow up Action" (z. B. "Rolling the short Call") kennen und anwenden können; und dergleichen mehr… aber wir konnten Ihnen auf jeden Fall einen Einblick vermitteln, dass es immer eine richtige und falsche Anwendung einer Covered Call Strategie gibt und dass wir hier bei tradingeconomics immer die richtige wählen, weil wir sie kennen!!!

Wenn Sie Fragen zu unserem „Covered Call“ Artikel haben, zögern Sie bitte nicht, uns eine E-Mail an info@tradingeconomics.net zu senden.

 

Alexander Firstbrain
Investor und Autor
Trading Economics
tradingeconomics.net